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  •  Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2017 für Mathias Énard

    Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2017 für Mathias Énard

    »Ich weiß nicht mehr, in welchem Moment genau ich beschlossen habe, diese Reise anzutreten und dich nach Sibirien zu bringen, in Moskau jedenfalls, der Stadt der tausendunddrei Kirchtürme und der sieben Bahnhöfe, zitterte ich erst einmal im Nieselregen und hielt Jeannes Hand; sie war bleich und zerbrechlich, hatte dunkle Augenringe und ihr Atem roch nach Ether, nach Wodka oder Medikamenten«. Durch die »sanfte Droge Erinnerung« erzählt Mathias Énard in seinem Roman ›Der Alkohol und die Wehmut‹ die große Geschichte von unstillbarer Sehnsucht, von Urbildern und unerfüllbaren Träumen – eines Erzählers, eines Landes, einer Generation.

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  • »In diesem Gleißen glänzender Leere, in dieser ariden Intensität schierer Hitze, mitten im Herzen einer fremdartigen Einsamkeit, einer großartigen Stille und großen Verlassenheit, ziehen sich sämtliche Dinge in unerreichbare Fernen zurück, sie reflektieren das Licht, sind aber unmöglich zu berühren, sie machen alle Gedanken zunichte und alles Menschengemachte zerfällt zu einer Zuckung wirbelnden Staubs weit draußen in der goldenen Wüste.« Edward Abbey: Die Einsamkeit der Wüste

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  • »Ich hatte früher einen Kater, einen alten Kämpfer, der dann und wann mitten in der Nacht durchs offene Fenster zu mir ins Bett sprang und auf meiner Brust landete. Davon wurde ich halb wach. Er schob mir seinen Schädel unter die Nase und schnurrte und stank nach Urin und Blut. In manchen Nächten knetete er mir mit seinen Vorderpfoten kräftig die nackte Brust und wölbte dabei den Rücken, als wollte er sich die Krallen schärfen oder eine Mutter melken. Und manchmal, wenn ich morgens aufwachte, war mein Körper mit blutigen Pfotenspuren übersät; ich sah aus wie mit Rosen bemalt.« Annie Dillard: Pilger am Tinker Creek

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  • »Am oberen Laufe der Donau liegt die Stadt Passau. Scheinbar sagt dieser Satz nur, was der Fall ist, doch wie er es sagt, verrät, dass Gesang da schon ist, denn die Selbstlaute und Doppellaute dieses Satzes ergeben folgende Melodie: a-o-e e-au-e e-o-au-i i-a a-au oder, lässt man die Es weg: a-o-au-o-au-ii-aa-au. Allein die dreifache Wiederholung des Doppellauts au schlägt schon unüberhörbare Brücken in diesem Satz ...« Michael Donhauser: Waldwand. Eine Paraphrase

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  • »Ich kommuniziere nicht mehr, um etwas zu erreichen, sondern: Egal um was es geht, Hauptsache, ich habe es gut kommuniziert. Kommunikation ist ein zäher Gummi-Begriff, einst von einem fein lächelnden Verwaltungsfachmann zum Systembegriff geadelt und ohne Verfallsdatum. In den letzten Jahren hat die Kommunikation zahlreiche Freundinnen bekommen: die Kreativität, die Vernetzung, die flache Hierarchie, die Kollaboration, die Synergie. Kommen Sie nie auf die Idee zu fragen, auf was diese Begriffe verweisen und worin ihr Zweck besteht, was also ihr praktischer Gehalt ist. Sie sind sich selbst genug, sie wollen ihre eigene Praxis sein.« Felix Klopotek: On Time Run

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  • »Je mehr den Menschen das Beobachtete an sich selbst erinnert, desto größer ist die Verlockung, es auch in diesem Sinne zu interpretieren – was die Geschichte der Wolfsforschung plastisch illustriert. Der Wolf beeindruckt nämlich, seit er in den Fokus der Wissenschaft geriet, mit einem Verhalten, das den Vergleich mit dem Menschen geradezu herauszufordern scheint: Er hat sich als äußerst soziales Tier herausgestellt und ist von Geburt an Teil eines vor allem familiären Miteinanders, das durch komplexe Kommunikation geregelt wird.« In ihrem klugen und feinfühligen Tierportrait nimmt Petra Ahne die kultur- und naturgeschichtliche Fährte des bernsteinäugigen Wanderers auf.

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