Der Übermuslim

Was junge Menschen zur Radikalisierung treibt

Der Übermuslim
Der Übermuslim
Was junge Menschen zur Radikalisierung treibt

141 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Übersetzung: Monika Mager, Michael Schmid

Erschienen: 2017
ISBN: 978-3-95757-388-9
Preis: 18,00 €
Auch erhältlich als ... Ebook
Warum radikalisieren sich Jugendliche, die weder aus besonders schwierigen Verhältnissen stammen, noch als ungewöhnlich religiös bekannt waren, innerhalb kürzester Zeit zu gewaltbereiten Islamisten und wollen fortan in Syrien oder hierzulande in den Dschihad ziehen? Warum gelingt es islamischen Fundamentalisten weltweit so leicht, moderate Muslime unter Druck zu setzen, weil sie nicht islamisch genug seien? Fethi Benslama, der 15 Jahre in der Pariser Vorstadt mit radikalisierten Jugendlichen gearbeitet hat, zeigt in seinem wegweisenden Essay, dass weder theologische noch soziologische Erklärungsansätze ausreichen, sondern psychologisch gefragt werden muss, welchen seelischen Gewinn die Einzelnen aus der islamistischen Radikalisierung ziehen: Nur wenn wir begreifen, welcher bis zur Tötung von anderen und sich selbst treibende Genuss die Täter motiviert, lassen sich Gegenmittel finden. Benslama demonstriert eindrucksvoll die Aufklärungskraft der Psychoanalyse und zeigt, wie sich in den muslimischen Gemeinschaften das Ideal des Übermuslims etablieren konnte, dem man bis zur völligen Aufopferung nacheifern muss. Er zeigt aber auch, warum die bloße Deradikalisierung die zugrunde liegenden Probleme nicht beseitigen wird, und schlägt andere Lösungsansätze zur Überwindung des Übermuslims vor. Überraschenderweise gibt ihm dafür gerade der Blick auf den von vielen als gescheitert betrachteten ›Arabischen Frühling‹ Anlass zu einer optimistischen Perspektive.

Pressestimmen

»Das schmale Buch liefert einen wichtigen Beitrag zur Islam-Debatte. Man findet hier Argumente, die bisher kaum präsent sind.«
- Sieglinde Geisel, Deutschlandradio Kultur

»Wichtig ist dieses Buch insbesondere, wenn man verstehen möchte, weshalb junge Menschen sich dem Tod aussetzen. Insbesondere in postindustriellen Gesellschaften, die entideologisiert auftreten, lockt man mit dem Tod für eine Sache, die größer als man selber ist, allenfalls noch wenige. Für den Übermuslim jedoch besteht ein rationales Muster, das es zu ergründen gilt. Benslama spricht davon, dass sich für ihn die Grenze zwischen Leben und Tod auflöst.«
- Lars Hartmann, Der Freitag

»Benslama legt den Islamismus, den er als antipolitische Utopie versteht, auf die Couch und entlockt ihm dort seine Antriebsstruktur. Dabei verknüpft er in seinem gleichermaßen inspirierten wie inspirierenden Essay die historischen und politischen Fakten mit seinen psychologischen Befunden, etwa wenn er den Heiligen Krieg auch als Suche nach Heilung versteht. Aufschlussreich. Und erschreckend.«
- Shirin Sojitrawalla, taz

»Denn Standarderklärungen reichen offensichtlich nicht aus, um die Ursachen des radikalisierten Islam zu erklären. Benslama diagnostiziert hingegen mit psychoanalytischem Sachverstand eben jene Macht des Übermuslim, die vom Muslim verlangt, ›Buße zu tun und zu bereuen, sich zu reinigen und ein Leben ganz in Übereinstimmung mit dem Koran zu führen‹. Eine erstaunliche Tiefenlotung in die Fantasmen der Angst, die der Übermuslim in jungen Muslimen freisetzt. Wir befinden uns in Abgründen der Seele.«
- Andreas Wang, NDR Kultur

 

 

  • Fethi Benslama