Der Wille zum Wesen

Weltanschauungskultur, charakterologisches Denken und Judenfeindschaft in Deutschland 1890–1940

Der Wille zum Wesen
Der Wille zum Wesen
Weltanschauungskultur, charakterologisches Denken und Judenfeindschaft in Deutschland 1890–1940

734 Seiten, Hardcover bedruckter Schutzumschlag

Erschienen: 2013
ISBN: 978-3-88221-981-4
Preis: 49,90 €
Vergriffen, Termin Neuauflage unbestimmt

Ursprünge des Antisemitismus

Per Leo fragt in dieser bahnbrechenden Studie nach den geistesgeschichtlichen Wurzeln von Rassismus und Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Er zeigt, dass der Wille zur Ausgrenzung sich weniger als eigenständige Ideologie artikulierte, sondern in eine diffus rationale Weltanschauungskultur eingebettet war, die in dieser Form nur in Deutschland entstehen konnte. Am Beispiel des charakterologischen Diskurses rekonstruiert Leo die Route, auf der das allgemeine Problem menschlicher Ungleichheit und die besondere Frage nach dem »jüdischen Wesen« ihren Weg aus dem 19. ins 20. Jahrhundert fanden. Indem er darstellt, wie ab 1900 die Charakterologie – mit dem Philosophen und Graphologen Ludwig Klages als Leitfigur – zu einem zentralen Orientierungspunkt in der deutschen Geisteslandschaft wurde, ermöglicht Leo auch eine neue Sicht auf die immer noch ungeklärte Frage, wie die deutsche Bildungsschicht im Dritten Reich ankommen konnte. War es nicht möglich, persönliche Individualität ebenso als Charakterform aufzufassen wie rassische Typizität? Musste das »Land der Dichter und Denker« in der Naziherrschaft wirklich untergehen?

Pressestimmen

»Leos Stärke liegt in der Konzentration auf eine reine Dogmengeschichte, die für eine geschichtswissenschaftliche Arbeit ganz und gar ungewöhnlich ist. (...) Nicht minder bemerkenswert ist Leos Talent zur aphoristischen Zuspitzung seiner Thesen. Sein Buch ist ein aufklärerisches Gegenstück zu Götz Alys Traktat "Warum die Deutschen? Warum die Juden?".«
- Patrick Bahners, FAZ

»Der Berliner Historiker und Philosop Per Leo fragt nach geistesgeschichtlichen Wurzeln von Rassismus und Judenverfolgung- eine große Studie, die Widerspruch herausfordert.«
- Thomas Steinfeld, SZ

»Es ist das Verdienst von Per Leos akribischer Studie, die eine überwältigende Stofffülle souverän arrangiert, die Rolle der deutschen Weltanschauungskultur auf dem Weg ins Dritte Reich nachdrücklich in Erinnerung zu rufen.«
- Judith Leister, NZZ

»Per Leos Untersuchung bildet derzeit sicher den geschlossensten Vorschlag, wie die Ideengeschichte des Nationalsozialismus von ihrem elitären Kopf auf die gesellschaftlichen Füße gestellt werden kann.«
- Janosch Steuwer, Zeitschrift für Ideengeschichte
 
»Mit […] ›Flut und Boden‹ und der Studie ›Der Wille zum Wesen‹ […] hat der Berliner Historiker und Schriftsteller Per Leo die wohl umfassendste Deutung und Herausforderung der etablierten Darstellungsformen, Narrative und Thesen zur Vorgeschichte, Geschichte und dem Nachleben des Nationalsozialismus vorgelegt.«
- Thomas Meyer, literaturkritik.de
 
»[A] brilliant history of the ways in which the often lamented increasing anonymity in modern urban life in the nineteenth century brought forth all kinds of characterological theories and practices. […] Leo develops a genealogy of the lesser known ideological roots of twentieth-century right-wing thinking.«
- Diedrich Diederichsen, Art Forum
 
»Mit diesem Buch, das in einigen Passagen an den kategorischen Prosastil Gottfried Benns (den der Autor auch zum Thema macht) erinnert, liegt das historiographische Äquivalent zu einem deutschen Bildungsroman vor. […] Die Beispiele, die Leo bringt, sind treffend, aber nicht zwingend; zwingend ist die von ihm verfolgte These: In der Charakterologie bildet sich in Deutschland um 1900 ein spezifischer Denkstil aus, dessen Wirkmächtigkeit darin begründet liegt, dass hier Weltanschauungsautoren die Vorstellung einer kategorialen Ungleichheit der Menschen in alle Gebiete des Wissens überführen. Der von ihren Verfechtern als Erhabenheit geadelte Holismus der philosophischen Tiefe und wissenschaftlichen Ganzheitlichkeit des Denkens auf der einen Seite und das obsessive Nachdenken über die Juden als ›das Andere‹ in Politik, Philosophie, Wissenschaft und Kunst – diese beide Denkfiguren strebten in diesen Jahren in Deutschland mehr als anderswo auf der Welt auf einander zu und so bestätigten sich Form und Inhalt dieses Denkstils gegenseitig.«
- Nicolas Berg, H-Soz-Kult