Ein russischer Roman

Ein russischer Roman
Ein russischer Roman

282 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag

Übersetzung: Claudia Hamm

Erschienen: 2017
ISBN: 978-3-95757-363-6
Preis: 22,00 €
Auch erhältlich als ... Ebook

»Mein Leben war verfolgt von Wahnsinn und Horror. Die Bücher, die ich geschrieben hatte, sprachen von nichts anderem. Nach Der Widersacher konnte ich nicht mehr. Ich wollte diesem Zwang entkommen. Und ich dachte, ihm durch die Liebe zu einer Frau und durch Nachforschungen über meine Familie entkommen zu können. Die Nachforschungen drehten sich um meinen Großvater mütterlicherseits, der nach einem tragischen Leben 1944 verschwand und sehr wahrscheinlich als Kollaborateur erschossen wurde. Seine Geschichte ist das Geheimnis meiner Mutter, das Gespenst, das in unserer Familie spukt. Um dieses Gespenst zu bannen, ging ich riskante Wege. Sie führten mich in ein verlorenes russisches Provinzstädtchen, und ich blieb lange dort, auf der Lauer, dass irgendetwas geschehe. Und es geschah etwas: ein grausames Verbrechen. Wahnsinn und Horror holten mich wieder ein. Sie holten mich auch in meinem Privatleben ein. Ich hatte für die Frau, die ich liebte, eine erotische Geschichte geschrieben, die in die Wirklichkeit eingreifen sollte, doch die Wirklichkeit entzog sich meinen Plänen. Sie stürzte uns vielmehr in einen Albtraum, der den grausamsten in meinen Büchern glich und der unser Leben und unsere Liebe zerstörte. Denn darum dreht sich dieses Buch: um die Drehbücher, die wir ausarbeiten, um die Wirklichkeit zu zähmen, und um die fürchterliche Weise, mit der sich die Wirklichkeit dieser bemächtigt, um darauf zu antworten.«

Pressestimmen

»Die subjektive Perspektive des ›involvierten Zeugen‹ ist Carrère zum Erkennungsmerkmal geworden, er interessiert sich leidenschaftlich für das Ich – sein eigenes, aber auch das der anderen. In seinem russischen Roman erklärt er, dass die erste Person Einzahl auf Russisch wörtlich übersetzt ›im ersten Gesicht der Einzahl‹ heiße – und dank der russischen Sprache enthülle sich ihm sein erstes Gesicht. Dieser Hinweis auf das doppelte Ich unterstreicht die besondere Bedeutung von Identität und Exil für Carrères Rolle als französisch-russischer Autor. Familienbiografie und Zeitgeschichte scheinen unauflösbar ineinander verflochten zu sein.«
- Willi Jasper, Der Tagesspiegel