Spiel auf vielen Trommeln

Spiel auf vielen Trommeln
Spiel auf vielen Trommeln

141 Seiten, geb. mit Schutzumschlag

Übersetzung: Erzählungen Aus dem Polnischen von Esther KinskiMit einem Vorwort von Katharina DöblerHerausgegeben vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD

Erschienen: 2006
ISBN: 978-3-88221-107-8
Preis: 14,80 €

Die großen Fragen nach Sein und Dasein des Lebens

Olga Tokarczuk erweist sich einmal mehr als große Geschichtenerzählerin. Sie schöpft aus einem schier unendlichen Repertoire von Alltagsgeschichten und Mythen, Fakten und Fantasiegebilden, Träumen, Beobachtungen und Deutungen und fügt diese zu kleinen verdichteten Parabeln zusammen, die die großen Fragen nach dem Geheimnis von Sein und Dasein berühren.

Wie verhalten sich Menschen, wenn Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden, wenn Gewohnheiten verloren gehen? Den Menschen in den hier versammelten Erzählungen passiert genau das: Sie sehen sich völlig neuen Situationen ausgeliefert, die sie zwingen, sich neu zu definieren und sich Fragen nach den Bedingungen von Existenz und Individualität zu stellen. Einigen gelingt es, sich neu zu definieren, andere drohen abzugleiten und sich zu verlieren.

Da ist der Schriftsteller Samborski, der sich plötzlich seinem Alter Ego gegenüber sieht, einem Phantom, das fortan nicht mehr von seiner Seite weicht, das an seinem Schreibtisch sitzt, seinen Papieren Notizen hinzufügt und im Kaffeehaus mit jungen Menschen über seine Literatur diskutiert, während Samborski selbst mehr und mehr zu verschwinden scheint. Oder die Ich-Erzählerin der Titelgeschichte, die vorübergehend in einer fremden Großstadt lebt. Dort bricht sie aus der Eintönigkeit ihres Alltags aus, schließt sich den Bewohnern einer Wagenburg an und gerät zunehmend in einen Prozeß der Selbstentfremdung, der sie wechselnde Identitäten annehmen läßt: Als Girlie in schweren Boots treibt sie sich in Discos herum, als Türkin sitzt sie mit der Großfamilie im stickigen Wohnzimmer, als Geschäftsmann steigt sie in Hotels ab und hinterläßt im Waschbecken Spuren von Rasierschaum. Das Spiel auf vielen Trommeln, das als unaufhörlicher Soundtrack aus der Wagenburg aufsteigt, wird zum Sinnbild für die verwirrende Vielschichtigkeit des Lebens.



Stimmen

Sieben Erzählungen gibt der Matthes & Seitz Verlag von Olga Tokarczuk zum Besten - und sie gehören, in Übersetzung von Esther Kinsky, in der Tat zum Besten, was derzeit an kurzer Prosa zu lesen ist.

LISTEN



All diese surrealen Ereignisse werden von Olga Tokarczuk mit der schönsten Selbstverständlichkeit geschildert. Reales und Phantastisches, Diesseitiges und Jenseitiges durchdringen sich ständig in diesen Geschichten. ... Die Erzählungen des Bandes "Spiel auf vielen Trommeln" sind weltläufiger und ortloser. Aber in einem ist sich Olga Tokarczuk treu geblieben: in der intensiven, ebenso poetischen wie konkreten Kraft ihrer Sprache.

DeutschlandRadio Kultur



Ohne Knalleffekte erzählt Olga Tokarczuk, aber sie findet scharfe, berührende Bilder. (...) weitere Geschichten über Menschen am Rande des Zusammenbruchs - packend, irritierend, anrührend.

Focus



ORF www.oe1.orf.at