Sören Kierkegaard – ein Erotiker der Verzweiflung

Getrieben von einer brennenden Sehnsucht nach dem Religiösen und einem mindestens ebenso intensiven Drang, sich literarisch zu erschöpfen, war es Kierkegaard unmöglich, in sich selbst zur Ruhe zu kommen. Ausdruck dieser unerfüllten Getriebenheit ist das Motiv der offenen Wunde. Das Begehren nach ihr ist ein erotisch besetzter Akt wider Willen und macht einen Teil der Faszination des Denkens Kierkegaards aus.

Kierkegaards Motiv der offenen Wunde faszinierte und beeinflußte nicht nur Karl Jaspers oder Martin Heidegger, sondern auch das Denken Jacques Lacans, George Batailles oder Judith Butlers. Wennerscheid zeichnet die Konturen dieser Wunde nach und macht sichtbar, inwiefern sie in ihrer obszön klaffenden Form dasjenige am menschlichen Körper ist, das unser Begehren als etwas weckt, von dem wir meinen, es uns verbieten zu müssen. Kierkegaard überschreitet die Grenze des Verbots über eine literarische Mimesis ans Dämonische. Die Wunde des Begehrens reißt immer wieder neu auf und entwirft ein Bild von Sünde, das an erotischer Verführungskraft wenig zu wünschen übrig lässt.


Stimmen

»ein neues und vielversprechendes Kapitel in der Kierkegaard-Forschung«
Klaus Müller-Wille, IASLonline.de, 20. April 2010

»Am Paradigma der Kieerkegaard-Analyse wird deutlich, dass und wie sich im mitgeteilten Inhalt des Textes erstens immer auch das Selbstverständnis des Autors, als eines solchen reflektiert und wie zweitens die Form der Mitteilung mitunter dasjenige selber reproduzieren soll und/oder kann, wovon sie selber handelt. Fazit: ein perspektivenreiches und eben deshalb lesenswertes Buch.«
Heiko Schulz, Philosophische Rundschau, September 2009

»In einer umfangreichen, faszinierenden und philologisch bestechenden Studie ist Wennerscheid diesem Motiv der Wunde nachgegangen (…). Genau am Text und mit einem wachen Gespür für komplexe literarische Konstruktionen entführt Wennerscheid den Leser in das von Kierkegaard so genannte ›Reich der dunklen Seufzer‹, in jene Tiefen und Untiefen des Begehrens, in denen im Wortsinn alle Grenzen zu verschwimmen drohen (…).«
Konrad Paul Liessmann, Süddeutsche Zeitung, 02. Mai 2008


Das Begehren nach der Wunde

Sophie Wennerscheid
Das Begehren nach der Wunde
Religion und Erotik im Schreiben Kierkegaards
352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-88221-717-9
€ 34,90 / CHF 59,00

Soeben erschienen: LETZTES SCHWEIGEN, der neue Roman von Volker Altwasser: »Der hat wirklich was zu erzählen, keine nette Plauderei, sprachmächtiges Wühlen im Schmutz, so was brauchen wir!« Clemens Meyer