»Karl Marx und die Magie des Kapitals«

07.11.2017 19:00, Stiftung Deutsches Hygiene-Museum

Vor 150 Jahren erschien Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, das Hauptwerk von Karl Marx. Das Kapital ist eines der wirkmächtigsten Bücher der Geschichte: Aus der Analyse des „ökonomischen Bewegungsgesetzes“ der kapitalistischen Produktionsweise meinten Marx und seine Nachfolger auch die Organisationsweise einer nachkapitalistischen Gesellschaft ableiten zu können. Ohne Das Kapital hätte es weder die sozialdemokratische Bewegung noch den real existierenden Sozialismus gegeben.

Nun beschränkt sich Marx’ Analyse nicht darauf, die geheime Rationalität der kapitalistischen Gesellschaft aufzudecken; er zeigt auch eine dunkle, zutiefst irrationale Seite dieser Gesellschaft. Während in der Hochzeit des europäischen Kolonialismus Missionare, Ethnologen und Romanciers ins afrikanische „Herz der Finsternis“ vordringen und dort mit ihnen unverständlichen, wilden Fetisch-Kulten konfrontiert werden, die beseelten Dingen eine unermessliche Macht zusprechen, entdeckt Marx im Herzen der „aufgeklärten“ westlichen Gesellschaft einen Kult, der Ware und Geld zu universellen Fetischen erhebt, denen alle Menschen unermüdlich zu dienen haben. Das Kapitel über den „Fetischcharakter der Ware“ gilt als eines der schwersten und dunkelsten des ganzen Kapital. Richtig gerahmt, besitzt es aber auch eine besondere Anschaulichkeit und eine bis heute verstörende Aktualität.

Patrick Eiden-Offe im Gespräch mit Philipp Felsch in der Reihe »Theorien zur Praxis«

Ort

Stiftung Deutsches Hygiene-Museum
Lingnerplatz 1
01069
Dresden