»Poetik der Übersetzung«

01.11.2017 19:30, Collegium Hungaricum Berlin

Die Übersetzerin und Autorin Esther Kinsky wird im Wintersemester 2017/2018 die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung bekleiden. Die vom Deutschen Übersetzerfonds und der Freien Universität Berlin 2007 ins Leben gerufene Gastprofessur ist die erste Professur für Poetik der Übersetzung im deutschsprachigen Raum und wird jährlich im Wintersemester am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft eingerichtet.
Der Schwerpunkt ihres übersetzerischen Werks liegt auf der polnischen und der angloamerikanischen Literatur. Zygmunt Haupt, Olga Tokarczuk, Magdalena Tulli und Joanna Bator gewannen durch ihre Übersetzungen eine deutschsprachige Leserschaft. Im Kontext einer Ästhetik des »nature writing« stehen ihre Übersetzungen von Henry David Thoreau, James Leslie Mitchell und John Clare.
In dem Essay »Fremdsprechen. Gedanken zum Übersetzen« (2013) umkreist sie Erfahrungen beim Neuschaffen und Umbenennen, jenem »Fremdsprechen« von Bild- und Klangräumen in einer anderen Sprache. Aus Esther Kinskys eigenem literarischem Werk ragen die Romane »Sommerfrische« (2009), »Banatsko« (2011) und »Am Fluß« (2014) sowie die Gedichtbände »Aufbruch nach Patagonien« (2012) und »Am kalten Hang« (2016) heraus.
Esther Kinsky erhielt zahlreiche Auszeichnungen; u.a. den Paul Celan Preis für Übersetzung (2009), den Karl Dedecius Preis für Übersetzung (2011), den Franz Hessel Preis (2014), den Kranichsteiner Literaturpreis (2015) und den Adalbert von Chamisso-Preis (2016).

„Poetik der Übersetzung“ – der anspruchsvolle Titel der Professur ist Programm. Denn ihr Zweck sind nicht übersetzungspraktische Fingerübungen für Literaturwissenschaftler, sondern die kritische Reflexion eigener und fremder Übersetzungsmethoden sowie die vergleichende Textanalyse (Original und Übersetzung, Übersetzungsvarianten).
Zudem soll die Professur ein exponierter Ort der historischen Reflexion von Methoden und Theorien literarischen Übersetzens werden. Denn in herausragender Weise verband August Wilhelm von Schlegel, der Namenspatron der Professur, in seinem Schaffen philologische Forschung, eigene Dichtung und literarische Übersetzung. Der Deutsche Übersetzerfonds und das Peter-Szondi-Institut verstehen die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur als einen markanten Schritt zu einer Aufwertung der literarischen Übersetzung als einer eigenständigen künstlerischen Leistung.

Ort

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