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  • U wie Y und umgekehrt
    07.03.2022

    U wie Y und umgekehrt

    von Radonitzer

    Am Abend des 26. Oktober 1932 waren alle Räume der Rjabušinskij-Villa in der Malaja Nikitskaja 6 erleuchtet. Maksim Gor’kij erwartete Gäste – die rund 50 laut Liste geladenen Schriftsteller waren eingetroffen, diesmal auch parteilose Autoren, denn eine Woche zuvor hatten sich bei Gor’kij zur  »Probe« nur Parteimitglieder versammelt, unter ihnen auch Nikolaj Bucharin, der am 26. Oktober nicht mehr dabei war. Unter den Geladenen des Abends der Literaturwissenschaftler und Kritiker Kornelij Zelinskij, der tags darauf eine akribische Beschreibung des Treffens seinem Tagebuch anvertraute, die einzige authentische Quelle. 

    Die Gäste hatten sich in den Räumen versammelt, der Speisesalon war noch verschlossen, auf dem Diwan in Gor’kijs Bibliothek saßen Vsevolod Ivanov, Valentin Kataev und Leonid Leonov, sie stritten über das Bild Pavel Dmitrievič Korins, im Frühjahr 1932 in Sorrent entstanden, das Gor’kij vor dem Hintergrund des Vesuv überlebensgroß im Mantel und mit Stock zeigt (Korin leitete nach dem Krieg kurzzeitig die Restaurationsabteilung in der Dresdner Gemäldegalerie, zwischen 1941 und 1947 hatte er auch Entwürfe für die Wandmalerei im Palast der Sowjets angefertigt). ...

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  • Verleger Andreas Rötzer im Gespräch mit Übersetzerin Claudia Hamm über Emmanuel Carrères aktuellen Roman »Yoga«
    01.03.2022

    Verleger Andreas Rötzer im Gespräch mit Übersetzerin Claudia Hamm über Emmanuel Carrères aktuellen Roman »Yoga«

    Andreas Rötzer: Alles ist wahr lautet der Titel eines Romans von Emmanuel Carrère, der auch programmatisch für sein Schreiben steht. Was ist daran wahr, und gilt das auch für Yoga? Claudia Hamm: ...
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  • Gletscher
    10.02.2022

    Gletscher

    zu Reto Hännys Sturz/Flug

    von Uwe Hübner

    Reto Hänny erhält den Schweizer Grand Prix Literatur 2022 für sein Gesamtwerk!
    Der Autor schreibt in allen seinen Büchern die gleiche Geschichte nieder: seine eigene und die seiner Zeit. Was Reto Hänny umtreibt, sind seine Kindheit in den Bündner Bergen, seine Jugend in Ruch (ein Anagramm von Chur), die Zürcher Unruhen der 1980er-Jahre und ihre Unterdrückung durch die Polizei. Seine Texte verarbeiten diese Themen aber nicht chronologisch oder autobiografisch, sondern in Assoziationen, Erinnerungsstücken, Träumen und Erfindungen, vor allem aber durch die Nachahmung, mit der sich Reto Hänny die Weltliteratur aneignet.
    Hännys unvergleichlichem Stil, seinen Themen, ja dessen ganz eigener Literatur nähert sich Uwe Hübner in diesem Text über das Buch »Sturz« von 2020.

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  • »Man muss das Schreiben auf der Grundlage der Programmierung, und zugleich die Programmierung auf der Grundlage des Schreibens betrachten«
    10.01.2022

    »Man muss das Schreiben auf der Grundlage der Programmierung, und zugleich die Programmierung auf der Grundlage des Schreibens betrachten«

    Ein Gespräch mit Philipp Schönthaler

    Im Januar erscheint bei Matthes & Seitz Berlin das neue Buch von Philipp Schönthaler. Die Automatisierung des Schreibens & Gegenprogramme der Literatur erzählt davon, wie die industriellen ...
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  • <i>mors certa </i> spoiler alert oder <p>Jetzt bloß nicht in einen Biographismus abrutschen </p>
    28.10.2021

    mors certa spoiler alert oder

    Jetzt bloß nicht in einen Biographismus abrutschen

    Zu Nach Amerika und zurück im Sarg von Susan Taubes.

    Von Sophia Eisenhut

    Ich sitze vor meiner Hochschule und warte, ich lese dabei die englische Ausgabe. T. kommt vorbei, wie fast immer ist er gut gelaunt, und er fragt mich, was ich lese, und es braucht drei Sekunden, da ...
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  • Laudatio von Sigrid Löffler für den Adorno-Preisträger Klaus Theweleit
    14.10.2021

    Laudatio von Sigrid Löffler für den Adorno-Preisträger Klaus Theweleit

    Am Samstag, den 11. September 2021 erhielt Klaus Theweleit den Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Hier ist die Laudatio von Sigrid Löffler auf den Preisträger nachzulesen.

     

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  • Dankesrede von Klaus Theweleit für den diesjährigen Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main
    07.10.2021

    Dankesrede von Klaus Theweleit für den diesjährigen Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main

    Am Samstag, den 11. September 2021 erhielt Klaus Theweleit den Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Hier ist seine Dankesrede nachzulesen.

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  • Über Pessimismus, Hoffnung, Aufruhr und Verstehen
    24.09.2021

    Über Pessimismus, Hoffnung, Aufruhr und Verstehen

    Ein Gespräch über Afropessimismus mit Frank B. Wilderson III

    Wie erklärt sich die brutale Alltäglichkeit der Gewalt gegen Schwarze Menschen? Warum bestimmt die Geschichte der Sklaverei ihre Erfahrungen bis heute? Wie kommt es, dass Rassismus jeden Aspekt des ...
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  • »Die Pandemie kann uns Zugang zum wirklichen Leben verschaffen.«
    20.04.2020

    »Die Pandemie kann uns Zugang zum wirklichen Leben verschaffen.«

    Der Philosoph François Jullien erklärt in einem Interview mit Le Monde, warum diese Krise eine Gelegenheit sein kann, uns neue Möglichkeiten zu eröffnen, sowohl politisch als auch ethisch.

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  • Zwischen Shutdown und Shitstorm
    27.03.2020

    Zwischen Shutdown und Shitstorm

    Moralische Überlegungen eines Unternehmers in Zeiten des Virus – von Alexander Pschera

    Ich bin Inhaber und CEO eines Beratungsunternehmens mit 50 Mitarbeitern. Wie so viele andere Unternehmer auch, habe ich die Krise nicht kommen sehen. Sie war plötzlich „da“. Gleichsam über Nacht ...
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