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  • Freiheit für den Künstler Pjotr Pawlenski
    21.11.2017

    Freiheit für den Künstler Pjotr Pawlenski

    von Yann Merlin

    Pjotr Pawlenski wurde im Mai 2017 in Frankreich als politischer Flüchtling anerkannt, da er alle notwendigen Kriterien für diesen Status erfüllt.

    Vermutlich konnte er nachweisen, dass er in seinem Herkunftsland – dem Russland des Wladimir Putin – Verfolgungen ausgesetzt war.

    Pjotr Pawlenski ist ein Künstler, der nie etwas im Gefängnis zu suchen hatte.

    Weder in Frankreich noch in Russland.

    Man kommt um die Feststellung nicht umhin, dass die russische Zivilgesellschaft gegen seine Gefangenschaft demonstrierte, indem sie Sitzblockaden abhielt, und das wochenlang – während hier in Frankreich die öffentliche Meinung zu einem Schweigen erstarrt ist, das Fragen aufwirft.

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  • Radonitzer: Goldstein lesen 5
    06.04.2017

    Radonitzer: Goldstein lesen 5

    Listen

    Seitdem der französische Philosoph und Sinologe François Jullien, aber auch der italienische Semiotiker und Schriftsteller Umberto Eco in der Ästhetik die Aufmerksamkeit für Listen geschärft haben, kann man in Texten eine Vielzahl solcher Listen entdecken. Die Liste als nicht endende Darstellung des Unendlichen aufgefaßt, ist eine Möglichkeit, das unerzählbar Unzählbare erzählbar zu machen.

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    Radonitzer liest Alexander Goldsteins Roman »Denk an Famagusta«

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  • 16.02.2017

    Radonitzer: Goldstein lesen 4

    Frauen

    Der Romanerzähler lebt in einer Männergesellschaft. Männer, ihre Geschichten, ihre Rituale, ihr Überleben und Sterben sind sein Stoff. Dennoch begegnet uns gleich am Beginn des Romans eine Frau, Lana Bykowa. Sie ist so etwas wie eine mütterliche Freundin des Erzählers, Lanotschka, wie er sie zärtlich nennt, »eine kleine Dicke von laut Ausweis dreiundvierzig Jahren, meine Chefin beim Kollationieren der Papiere des Parteiarchivs«. Mit ihr und einem Dutzend Frauen, Türkinnen, Armenierinnen, Russinnen, Jüdinnen, sitzt er in der Korrekturabteilung der Druckerei. Lana Bykowa war er als Kind begegnet, sie hatte den heulenden Knaben in der Banja Fantasjia getröstet.

    Von welchen Frauen spricht der Erzähler, der manchmal das Alter Ego des Autors ist?

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    Radonitzer liest Alexander Goldsteins Roman »Denk an Famagusta«

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  • 10.01.2017

    Radonitzer: Goldstein lesen 3

    Film

    Lushin war kein »Kinogeher«. Ein Kino besuchte er nur einmal – nach dem Ende seiner Schachkarriere. Die in den Räumen des Filmkonzerns »Veritas« hängenden Fotos, auf denen ein blasser Mann mit starrem Gesicht und großer amerikanischer Brille zu sehen war, der mit den Händen am Gesims eines Wolkenkratzers hing – drauf und dran, in die Tiefe zu stürzen, sagten ihm nichts. Für Nabokov die Andeutung von Lushins Ende – Fenstersturz.

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    Radonitzer liest Alexander Goldsteins Roman »Denk an Famagusta«

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  • 16.12.2016

    Radonitzer: Goldstein lesen 2

    Schach

    Im letzten Kapitel des Romans bekennt der Erzähler (das alter Ego des Autors), Glück wäre für ihn »die Schachveranda im griechischen Limassol auf Zypern und die kleinen Lämpchen auf den Tischen zu einer Tasse Tee mit Rum oder Kognak«. Orte, an denen man Schach spielt, tauchen im Text mehrfach auf; der Erzähler nimmt die Blitzschachspieler, die Kommentatoren, selten die Meister, oft nur im Vorbeigehen wahr. Die Schwindler und Hochstapler tummeln sich an anderen Plätzen.

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    Radonitzer liest Alexander Goldsteins Roman »Denk an Famagusta«

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  • Radonitzer: Goldstein lesen 1
    18.11.2016

    Radonitzer: Goldstein lesen 1

    Es hätte Alexander Goldstein sicher gefallen, hätte er erfahren, dass im Verlag, der 2016 seinen grandiosen Roman »Denk an Famagusta« herausbringen würde, drei Jahre zuvor in der Reihe »Naturkunden« ein großformatiger Band über die Dinosaurier erschienen war. Die phantasievollen Zeichnungen des tschechischen Künstlers Zdeněk Burian ließen jene »Verlorenen Welten« erstehen, in denen andere Geschöpfe die Erde bevölkerten. In der 9. Klasse hatte der junge Alexander einen Aufsatz über »seinen Lieblingshelden« zu schreiben, entgegen dem Rat seines Vaters, eines erfahrenen Journalisten, und dem ungeschriebenen Gesetz, dieser Held dürfe nur ein Bestarbeiter oder Kriegsheld sein, wählte der Knabe eines jener urzeitlichen Wesen, die Echse Chiroterium, entsprungen der Phantasie des Künstlers, denn es gab nicht den geringsten Beweis ihrer Existenz.

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    Radonitzer liest Alexander Goldsteins Roman »Denk an Famagusta«.

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  • Mario Perniola: Vom katholischen Fühlen
    14.10.2014

    Mario Perniola: Vom katholischen Fühlen

    Del Sentire Cattolico - Die römischen Cäsaren an der Wurzel des Papsttums - Der liturgische Formalismus als Schatzkammer der Logik - Die Modernität des Katholizismus - Die andere Sichtweise Mario Perniolas

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  • Joachim Schultz: Kurz und bündig? Probleme beim Übersetzen von Aphorismen
    21.08.2013

    Joachim Schultz: Kurz und bündig? Probleme beim Übersetzen von Aphorismen

    Kurz und bündig müsse er sein. Dies wird man oft hören, wenn man literarisch interessierte Menschen fragt, was man sich unter einem Aphorismus vorzustellen habe. Wenn man etwas länger darüber nachdenkt, werden einem einige Ausnahmen einfallen. Zum Beispiel Adornos Buch Mimima moralia gilt allgemein als Aphorismensammlung, einige darin enthaltene Texte sind mehrere Seiten lang. Gleichwohl gilt der Satz von Jean Paul: "Sprachkürze bringt Denkweite." Darum wird die Kürze bei meinen Überlegungen zur Übersetzung von Aphorismen immer wieder zur Sprache kommen, doch daneben noch eine ganze Reihe weiterer Themen und Probleme, die vielfach allerdings sich ganz allgemein bei Übersetzungen stellen. Im Mittelpunkt stehen meine Übersetzungen französischer Aphorismen ins Deutsche, womit ich mich seit etwa dreißig Jahren beschäftige. Im ersten Teil geht es um Aphorismen des französischen Dichters Saint-Pol-Roux, im zweiten Teil um Übersetzerworkshops, die ich an der Universität Bayreuth geleitet habe.

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  • Jörg Plath: Wassili Golowanows Reisen auf die Insel Kolgujew
    24.05.2013

    Jörg Plath: Wassili Golowanows Reisen auf die Insel Kolgujew

    Erlauben Sie, dass ich Ihnen einen Mann vorstelle, der auszog, das Hoffen zu lernen. Sein Vorgänger im Märchen, so kommt es mir vor, hatte es deutlich einfacher als er. Er bewegte sich in die Welt hinaus, um dort das Gruseln zu lernen, und obwohl ihm allerlei zustößt, was dazu angetan wäre, bleibt er völlig ungerührt, geistesgegenwärtig und handlungsfähig. Das Gruseln lernt er freudig erst am Ende, als des Nachts seine Braut Wasser aus dem Bach mit Gründlingen über ihn kippt. Die Fischart trägt ihren Namen nicht umsonst und bringt Abgründiges ins Spiel, das dem jungen Mann zuvor sehr fern war. Was er im Überfluss besaß, war Selbst- und Weltvertrauen, eines ohne Grund und Boden freilich. Der junge Mann, der hier oben sitzt und auszog, das Hoffen zu lernen, hatte es in eben dieser Hinsicht ungleich schwerer.
    Wassili Golowanow - so heißt der Mann hier oben, der sich Ihren Blicken und bald meinen Fragen aussetzt, so heißt aber auch jene Person, die in einem Buch dieses Mannes die Rolle der Hauptperson und den Erzähler gibt - Wassili Golowanow also besaß kein Weltvertrauen, kein Gottvertrauen mehr, und brach deshalb auf aus seinem Leben.

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  • Sina dell'Anno: Michael Donhausers ›Variationen in Prosa‹
    09.05.2013

    Sina dell'Anno: Michael Donhausers ›Variationen in Prosa‹

    Versucht man, etwas verloren und gleichsam ergriffen in der scheinbaren Undurchdringlichkeit der vielstimmig klingenden Evokationen und abreissend hallenden Erzählfragmenten von Donhausers Variationen, sich diesen Gedichten, die als solche noch nicht einmal durch eine Versform äusserlich gekennzeichnet sind, zu nähern, so wird man mit dem sprechenden Titel, und damit mit der Frage nach dem Was der Variation, quasi der „Variable“ beginnen.

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