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- 21.08.2013
Joachim Schultz: Kurz und bündig? Probleme beim Übersetzen von Aphorismen
mehrKurz und bündig müsse er sein. Dies wird man oft hören, wenn man literarisch interessierte Menschen fragt, was man sich unter einem Aphorismus vorzustellen habe. Wenn man etwas länger darüber nachdenkt, werden einem einige Ausnahmen einfallen. Zum Beispiel Adornos Buch Mimima moralia gilt allgemein als Aphorismensammlung, einige darin enthaltene Texte sind mehrere Seiten lang. Gleichwohl gilt der Satz von Jean Paul: "Sprachkürze bringt Denkweite." Darum wird die Kürze bei meinen Überlegungen zur Übersetzung von Aphorismen immer wieder zur Sprache kommen, doch daneben noch eine ganze Reihe weiterer Themen und Probleme, die vielfach allerdings sich ganz allgemein bei Übersetzungen stellen. Im Mittelpunkt stehen meine Übersetzungen französischer Aphorismen ins Deutsche, womit ich mich seit etwa dreißig Jahren beschäftige. Im ersten Teil geht es um Aphorismen des französischen Dichters Saint-Pol-Roux, im zweiten Teil um Übersetzerworkshops, die ich an der Universität Bayreuth geleitet habe.
- 24.05.2013
Jörg Plath: Wassili Golowanows Reisen auf die Insel Kolgujew
mehrErlauben Sie, dass ich Ihnen einen Mann vorstelle, der auszog, das Hoffen zu lernen. Sein Vorgänger im Märchen, so kommt es mir vor, hatte es deutlich einfacher als er. Er bewegte sich in die Welt hinaus, um dort das Gruseln zu lernen, und obwohl ihm allerlei zustößt, was dazu angetan wäre, bleibt er völlig ungerührt, geistesgegenwärtig und handlungsfähig. Das Gruseln lernt er freudig erst am Ende, als des Nachts seine Braut Wasser aus dem Bach mit Gründlingen über ihn kippt. Die Fischart trägt ihren Namen nicht umsonst und bringt Abgründiges ins Spiel, das dem jungen Mann zuvor sehr fern war. Was er im Überfluss besaß, war Selbst- und Weltvertrauen, eines ohne Grund und Boden freilich. Der junge Mann, der hier oben sitzt und auszog, das Hoffen zu lernen, hatte es in eben dieser Hinsicht ungleich schwerer.
Wassili Golowanow - so heißt der Mann hier oben, der sich Ihren Blicken und bald meinen Fragen aussetzt, so heißt aber auch jene Person, die in einem Buch dieses Mannes die Rolle der Hauptperson und den Erzähler gibt - Wassili Golowanow also besaß kein Weltvertrauen, kein Gottvertrauen mehr, und brach deshalb auf aus seinem Leben. - 09.05.2013
Sina dell'Anno: Michael Donhausers ›Variationen in Prosa‹
mehrVersucht man, etwas verloren und gleichsam ergriffen in der scheinbaren Undurchdringlichkeit der vielstimmig klingenden Evokationen und abreissend hallenden Erzählfragmenten von Donhausers Variationen, sich diesen Gedichten, die als solche noch nicht einmal durch eine Versform äusserlich gekennzeichnet sind, zu nähern, so wird man mit dem sprechenden Titel, und damit mit der Frage nach dem Was der Variation, quasi der „Variable“ beginnen.
- 26.04.2013
Alexander Pschera: Die gepanzerte Gesellschaft
mehrDie Zeit ist gekommen für Entpanzerung. Nicht noch mehr Überwachungskameras in öffentlichen Räumen sind die Antwort auf die Anschläge von Boston, sondern eine geschärfte öffentliche Wahrnehmung gepaart mit Widerstands- und Regenerationsfähigkeit des sozialen Systems, das von den Attacken getroffen wird. Wir müssen also vor allem lernen, uns der katastrophalen Welt anzupassen und aufhören, sie zu bekämpfen. Das ist die Logik der Resilienz.
Ein Essay von Alexander Pschera - 12.02.2013
Byung-Chul Han: Die Ethik des Drohnenkriegs
mehrAlle, vom Luftwaffenchef der Bundeswehr über den Wehrbeauftragten des Bundestages bis zum Bundesverteidigungsminister, wollen sie haben, die bewaffneten Drohnen, am besten sofort. Kürzlich heißt es aus dem Verteidigungsministerium, der Einsatz von bewaffneten Drohnen sei »ohne Zweifel sinnvoll«. Trotz massiver Probleme, die die Tötung per Mausklick mit sich bringt, geht kein Aufschrei durch die Gesellschaft.
Ein Essay von Byung-Chul Han - 14.11.2012
Alexander Pschera: Die Erotik der Geheimdienste
mehrAffairen können symptomatisch sein. Affairen sind Ereignisse des Unerlaubten. Das Unerlaubte sagt manchmal mehr über die Zeit aus als das Erlaubte. Denn es ist derjenige Teil der Wirklichkeit, der nicht einsehbar ist. Auch der Weg, auf dem sich das Unerlaubte verwirklicht, und die Form, in der es kommuniziert, sind signifikant. Affairen werfen ein grelles Licht auf Machtstrukturen.
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Eine Kritik von Alexander Pschera - 04.09.2012
Byung-Chul Han: Südkorea - Eine Müdigkeitsgesellschaft im Endstadium
mehrMehr an Information führt auch nicht notwendig zu besseren Entscheidungen. Die Intuition etwa hängt nicht von der Menge der verfügbaren Informationen ab. Durch die wachsende Informationsmasse verkümmert heute das höhere Urteilsvermögen. Oft bewirkt ein Weniger an Information ein Mehr. Die Negativität des Auslassens und des Vergessens ist produktiv. Gerade das analytische Vermögen setzt die Fähigkeit des Aus- und Weglassens voraus. Mehr Information und Kommunikation allein erhellt die Welt nicht.
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Eine Reportage von Byung-Chul Han - 31.08.2012
Sandra Frimmel: Theater im Taganer Gericht - Die Reportage eines Prozesses
mehrKunst als Verbrechen - Seit Beginn der Neuzeit geraten Künstler und ihre Werke immer wieder in Konflikt mit den herrschenden rechtlichen Normen. Gemeint sind hiermit keinesfalls breit angelegte Diffamierungs- oder Verfolgungskampagnen wie im Dritten Reich oder in der Sowjetunion, sondern jene Gerichtsprozesse, die zu unterschiedlichen Zeiten in Einklang mit dem Gesetz in verschiedenen Staats- und Regierungsformen stattfanden und -finden.
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Ein Essay von Sandra Frimmel
- 14.08.2012
Nathan der Waise: Wer soll was integrieren?
mehrDie gegenwärtige Integrationsdiskussion kann man weitgehend einem neuen Religionsstreit gleichsetzen. Um den wiederum zu beurteilen, muss man zur historischen Quelle zurückgehen, nämlich zur ursprünglichen Verhaltensweise der modernen, kapitalistischen Gesellschaft in Bezug auf die Religion.
Ein Essay zur Integrationsdebatte ... - 16.07.2012
Alexander Pschera: Das Ende des Sozialkomas
mehrAuch Freiheit wird zu einem sozialdestruktiven Element. Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Kein Markt, der sich selbst auflöst und unsichtbar wird, hat Überlebenschancen. Die Krise des Kapitalismus ist nicht die Logik seiner Wertschöpfung oder irgendeine Frage der Gerechtigkeit, sondern das Koma, in das er das Soziale versetzt hat.
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Ein Essay von Alexander Pschera









