Die Affaire Moro
Buch

Die Affaire Moro

Ein Roman

236 Seiten, gebunden
Übersetzung: Monika Lustig
Preis: 24,00 €
Auch erhältlich als Ebook

»Die Affaire Moro«, so Sciascia, »wird im Laufe der Zeit einen immer größeren Wahrheitsgehalt, immer mehr an Bedeutung erlangen

Sciascia stellt sich in diesem Roman der schwierigen Frage: Was ist die Literatur, anders gesagt, was ist sie neben der Geschichte und der Chronik, der Vergangenheit und der Gegenwart, was ist sie bezogen auf die Wirklichkeit und die Wahrheit? Er unternimmt eine Schreibbewegung, die (im Stile eines Borges) die Realität erfindet; erzählend erkennt, dass das Buch bereits geschrieben war, als sich die Tragödie ereignete.

Noch bevor der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Fall Moro, dem Sciascia dann angehörte (Bericht der parlamentarischen Minderheit, im Anhang des Buchs) den bis heute nicht endgültig geklärten Fall Moro neu bewertete, hatte er den beinahe religiös-existenziell grundierten Band Die Affaire Moro veröffentlicht (…) und dargelegt, wie die Christdemokraten ihren Vorsitzenden, den langjährigen Ministerpräsidenten und Architekten des compromesso storico im Stich gelassen, seine Äußerungen [gezielt] missverstanden hatten: eine Befreiung durch die Ordnungskräfte sei zu keiner Zeit angestrebt worden.

Der historische Kompromiss – die Annäherung zwischen Christdemokraten und Kommunisten bedeutete für Sciascia das Grundübel der italienischen Politik: der ewige Transformismus, das immer neue Grüppchenbilden, Sich-Arrangieren, Herumlavieren. Was niemals (und gewollt) zu einer grundlegenden Änderung der Politik führt. »Ein Intellektueller aber«, so Sciascia, »sollte sich stets zur Opposition berufen fühlen.« Die unverkennbare Stimme des großen unbestechlichen, unbequemen Aufklärers.

Mit der 2022 einsetzenden Veröffentlichung von Moros ebenfalls im »Volksgefängnis« verfassten Memoriale ist die von Sciascia dargelegte Theorie einer »Zusammenarbeit« zwischen Staaten und kriminellen Banden von unerhörter Aktualität. Heute wissen wir: die allmächtige Geheimloge P2 hielt die Fäden der Affaire in der Hand; ein Jahr nach Sciascias Tod (1989) platzt der Skandal um die klandestine NATO-Organisation Gladio.

»Es ist das Buch, das Pasolini vielleicht geschrieben hätte, wäre er nicht drei Jahre vor Moro ermordet worden.« (Fabio Stassi)

Buch
ISBN: 978-3-94955-818-4
Verlag: Friedenauer Presse
Veröffentlicht: 2023
Schlagworte: Aldo Moro, Don Quijote, Jorge Luis Borges, Democrazia Cristiana, Brigate Rosse, Aufklärung, Italien, Gladio - Stay behind, Nachkriegszeit

»Die Edition Converso hat den Essay in neuer Übersetzung und mit einem erhellenden Nachwort von Fabio Stassi herausgebracht. Die 'Affäre Moro' ist ein Klassiker der politischen Polemik, man könnte es auch als grandioses Pamphlet bezeichnen, ganz auf der Linie von Pier Paolo Pasolinis 'Freibeuterschriften'. (...) Als politische Streitschrift ist 'Die Affäre Moro' nach wie vor grandios. Bei allem Spott und Sarkasmus verliert Sciascia nie den Anstand, er bleibt bei einer Position der Menschlichkeit, seine Invektiven richten sich gegen die Regierung, nicht den Staat.« – Thekla Dannenberg|, Perlentaucher

 

»Wenige Wochen nach Moros Tod schrieb der sizilianische Schriftsteller und Politiker in kürzester Zeit einen langen, zwischen den Genres oszillierenden Text, der noch im selben Jahr 1978 erschien. Monika Lustig hat diesen meisterlichen Roman-Essay als Verlegerin nun neu ediert. Sie hat die langen, komplexen Phrasen und Gedanken Sciascias souverän ins Deutsche gebracht und hervorragend kommentiert. Was macht diese Schrift, dieses Pamphlet, diese Intervention so eindrucksvoll?« – Ulrich Rüdenauer, SWR 2

 

»Fünfundvierzig Jahre nach der Erstveröffentlichung bleibt ‚Die Affaire Moro‘ eine aufwühlende Lektüre.« – Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

»Eine Publikation, die nicht zuletzt in der Kombination von Autor-Text, Essay, kommentierender Neu-Übersetzung und ausführlichen Anmerkungen die kriminelle Affaire um die Ermordung Aldo Moros hinreichend aufklärt, wenngleich die Schleier des Bösen auch nach 45 Jahren durch den Text wehen.« – Wolfgang Schlott, Tabula Rasa Magazin

 

»Mit Anleihen bei Jorge Luis Borges verfasste Sciascia zugleich eine Tragödie und ein blutiges Königsspiel. Damit auch deutschsprachige Leser Detektiv sein können, gibt es in dieser von Monika Lustig neu übersetzten Ausgabe einen klugen Essay von Fabio Stassi als Nachwort.« – Ulrich van Loyen, Der Freitag

  • Leonardo Sciascia

    Einige Lebensetappen des großen Leonardo SciasciaLeonardo Sciascia kam am 8. Januar 1921 zur Welt: in Racalmuto, zwischen Agrigent (Girgenti) und Caltanisetta, inmitten der Schwefelgrubenwelt. Der Vater Pasquale war in die USA ausgewandert, diente freiwillig in der Army, blieb über diese seine Zeit ... mehr

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