Fast ein neues Leben

Erzählungen

Fast ein neues Leben
Erzählungen

Reihe: Friedenauer Presse
120 Seiten, Digitaler Textdownload EPUB

Erscheint vorauss.: 02.09.2020
ISBN: 978-3-75180-601-5
Preis: 12,99 €
Noch nicht erschienen
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Auch erhältlich als ... Buch

Ein Debüt, das mitten aus dem Leben greift: Stark, direkt und offen erzählt Anna Prizkau von der Kraft der Hoffnung

Eine Familie kommt aus ihrem alten Land nach Deutschland. Dort passiert Unvorstellbares und Unverständliches – zumindest für die Tochter der Einwanderer. Sie, die Ich-Erzählerin, wächst auf im neuen Land, doch die Geschichten über das alte lassen sie nicht los. Sie wird erwachsen in dem Gefühl, immer eine Fremde zu bleiben, niemals dazuzugehören. Später wird aus ihr eine Theater- autorin; erfolglos, arbeitslos, aber voller Hoffnung. In diesen atmosphärisch feinen Erzählungen, die zusammen einen kleinen, dichten Roman der Fremdheit und der Sehnsucht ergeben, begegnet die Erzählerin dem neuen Leben, der neuen Sprache, den neuen Menschen: Margarete, die vielleicht töten muss, um zu besitzen. Marcel, den alle Mädchen küssen wollen. Samiha und Olcay aus dem türkischen Viertel, die eine unerklärliche Todesangst vor dem Fahrstuhl in ihrem Hochhaus haben. Sie trifft den Chef ihrer Mutter, der mehr will als nur eine gute Angestellte, den sadistischen Mann vom Arbeitsamt und Frank, das Männermodel, das seine Haare hochtoupiert trägt. Als Kind schämt sie sich noch für ihre Eltern und dafür, dass man bereits am »Hallo« ihres Vaters erkennt, dass er kein Deutscher ist. Später, als junge Frau, bringt ihr die Sprache ihres alten Landes, im falschen Moment und vor den falschen Leuten gesprochen, geprellte Rippen und eine aufgeplatzte Lippe ein. Denn neben der neuen, rätselhaften Freundlichkeit, bleiernen Höflichkeit und warmen Distanziertheit, mit der das fremde Mädchen, das später eine fremde Frau ist, sich konfrontiert sieht, muss sie auch immer wieder Schläge einstecken – aus bekannten Mündern und von unbekannten Fäusten. Doch sie schlägt zurück: nicht nur mit ihren Lügen, sondern auch mit ihren Träumen. Anna Prizkau erzählt in Fast ein neues Leben vom neuen Land, das Deutschland ist, von den Fremden und den Verlorenen, auch denen, die hier geboren wurden.

»Wann immer wir von einem neuen Leben träumen, fürchten wir uns meistens auch davor, den alten Dämonen zu entsagen, den Gespenstern unserer Vergangenheit, der Erinnerung, die uns auf den Grund zieht, der Liebe, die uns schmerzt. Wie Seiltänzer balancieren wir zwischen trauriger Vergangen- heit und sorgloser Zukunft. Auf unserer rechten Schulter sitzt dabei der Engel der Hoffnung. Links ist aber der Engel des Leids und der Depression. Er ist natürlich wohlgenährter, und darum wollen wir immer wieder auf seine Seite fallen. Ich denke, genau davon erzählt Anna Prizkau in ihrem Buch.«  Serhij Zhadan

»In Anna Prizkaus Buch fühlt man die echte und unverfälschte Erschütterung unserer Zeit, eine Vibration, die uns mit Hoffnungen füttert, täuscht, erhöht, misshandelt, tötet und wieder mit neuen Hoffnungen versorgt.« Viktor Jerofejew