In der Dämmerung
Buch

In der Dämmerung

Studien zur Vor- und Frühgeschichte der Kritischen Theorie

414 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Preis: 32,00 €

Im Herzen der Kritischen Theorie: die gescheiterte soziale Revolution

Mit Max Horkheimers 1937 bereits im Exil verfassten Aufsatz »Traditionelle und kritische Theorie« findet die Kritische Theorie ihre bündige Bestimmung, im Nachkriegsdeutschland wird sie als Frankfurter Schule zur intellektuellen Institution und moralischen Instanz. Die Ursprünge der Kritischen Theorie jedoch liegen, so zeigt Christian Voller, in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs. Die Zustimmung der Sozialdemokratie zu den Kriegskrediten im patriotischen Taumel 1914, die Niederschlagung der Arbeiter- und Soldatenräte nach dem Kriegsende sowie die rapide Bolschewisierung der Revolution in Russland sind ein Schock. Alles steht erneut auf dem Prüfstand. Im Heidelberger Universitätsmilieu der frühen 1920er-Jahre treffen enttäuschte Revolutionäre auf verzweifelte Neukantianer. Gemeinsam wenden sie sich erneut dem Werk Karl Marx′ zu, um es einer kritischen Rekonstruktion zu unterziehen. Hier bildet sich auch der produktive Zwiespalt der neuen Philosophie heraus: Sie ist Theorie der sozialen Revolution im Zeichen ihres fortgesetzten Scheiterns. In der Dämmerung erzählt lebendig von den Schwierigkeiten dieser geistigen Arbeit und den Schicksalen ihrer Protagonisten, deren Denken unabgeschlossen bleiben musste und doch untergründig weiterwirkte.

Buch
ISBN: 978-3-7518-0382-3
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Veröffentlicht: 2022
Schlagworte: Karl Korsch, Theodor W. Adorno, Karl Marx, Georg Lukács, Russische Revolution, Erster Weltkrieg, Neukantianismus, Ideengeschichte, Marxismus, Max Weber, 1918, Bolschewismus

»Eines der interessantesten Bücher, die zum Thema in den letzten Jahren zu lesen waren [–] erhellend und aufregend. Vollers entscheidende innovative Idee besteht darin, eine Entinstitutionalisierung der Kritischen Theorie vorzunehmen, also den bestehenden Fokus auf das Institut für Sozialforschung aufzulösen und sich auf Randfiguren zu konzentrieren.«           

– Jörg Später, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Was Voller gelingt, ist die intensive Darstellung des intellektuellen Ringens«

– Sebastian Klauke, Neues Deutschland

»Und doch ist sein Buch überaus wichtig, weil es an die neo-marxistischen Grundlagen der Kritischen Theorie erinnert. Es war die feste Überzeugung auch noch des vorsichtigen Flügels der Frankfurter, gerade das Ausbleiben der sozialen Revolution mache diese zu einer Denknotwendigkeit. Wer die extremen Randfiguren des Frankfurtismus studiert, versteht selbst Adornos Aufsätze zur Musik besser.«

– Stefan Ripplinger, Konkret

»Christian Voller hat mit seinem exzellenten Buch das Kunststück fertiggebracht, der Entstehungsgeschichte der klassischen Kritischen Theorie wirklich neue Facetten hinzuzufügen.«

– Hendrik Wallat, Kritiknetz

 

 

 

 

  • Christian Voller

    Christian Voller, 1980 in Kronberg im Taunus geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Leuphana Universität Lüneburg. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Technikphilosophie des 20. Jahrhunderts und Geschichte des Historischen Materialismus.