Kulturtod und Reparation
Buch

Kulturtod und Reparation

Der Fall Champollion

174 Seiten, Klappenbroschur
Preis: 16,00 €
Auch erhältlich als Ebook

Der Fuß auf dem Kopf eines Pharaos: Die Statue Jean-François Champollions im Ehrenhof des renommierten Collège de France ist zum Stein des Anstoßes geworden. Um 1870 von Frédéric-Auguste Bartholdi geschaffen – dem Bildhauer der Freiheitsstatue von New York –, ist ihr Bildprogramm widersprüchlich: Erdacht als heroisches Denkmal des Willens zum Wissen, liegt über ihr zugleich ein tragischer Schatten, der auf Champollions krisenhaftes Weltbewusstsein verweist. Gefeiert für die Entzifferung der Hieroglyphen und eine neue Geschichte der Menschheit, machte Champollion zwischen 1827 und 1829 bei Begegnungen mit Angehörigen der nordamerikanischen Osage-Nation in Paris und während seines Aufenthalts in Ägypten prägende Erfahrungen mit kolonialer Gesellschaftszerstörung und Kulturtod, die eng mit jenem Verständnis von Weltwissen verknüpft waren, dem er selbst Aufstieg und Ruhm verdankte. Champollions Zweifel und sein Handeln werfen Fragen auf, die Markus Messling zum Ausgangspunkt nimmt, um über die gesellschaftlichen Grundlagen der europäischen Gegenwart nachzudenken.


»Markus Messling stellt eine grundlegende Frage: Wie sollen wir uns angesichts der heutigen Welt die Form der Universalität als ethischen Anspruch, als erkenntnistheoretische Perspektive, als politisches Projekt vorstellen? Universalität, betont er, ist das Rätsel, auf das wir nicht verzichten können. Messling fächert Bartholdis Champollion-Statue als Allegorie der Aufklärung, als Zeugen imperialer Übel und als Denkmal für die Verflechtung von Wissen und Zweifel auf – und zeigt so, dass nur eine Idee von Universalität, die als tragische Tugend verstanden wird, uns angemessen auf die Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten der Gegenwart einstimmen kann.«

– David Scott, Columbia University

Buch
ISBN: 978-3-7518-3068-3
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Veröffentlicht: 2026
Schlagworte: Frankreich, Hieroglyphen, Kaiserreich, Restitution, Savoy, Zurückgabe, Reparationen, Afrika, Agypten, Kolonialismus

»Interessant ist, dass der Begriff der Reparation, der in den kulturpolitischen Debatten der vergangenen Jahre eine steile Karriere durchlaufen hat, schon in einem Brief Champollions von 1830 auftaucht. Messling folgt dieser Spur und gibt dem Begriff eine Wendung, die sich nicht nach außen, sondern nach innen richtet: Reparation als unabschließbare Arbeit an den Bruchstellen des universalistischen Versprechens.«
– Fabian Endemann, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Markus Messling zeigt am Beispiel einer Skulptur die Kolonialen Kulturkämpfe des 19. Jahrhunderts…In ihrer Entstehungsgeschichte legt die Skulptur den Preis der universalen Weltentschlüsselung frei – dass Erforschung zu Beherrschung führt. Und man kann sie in ihrer Vielschichtigkeit als Mahnung verstehen, diesen Preis nicht zu vergessen – gerade an einem Ort, der sich dem Projekt der universalen République des Lettres verschrieben hat.«
– Clemens Klünemann, Neue Zürcher Zeitung

»Markus Messling…beschäftigt sich in fundierten Analysen mit Bartholdis skulpturalem Programm.«
– Günter Haller, Die Presse

Das könnte Sie auch interessieren

Anzahl: 1

Sicherheitshinweise entsprechend Art. 9 Abs. 7 Satz 2 GPSR entbehrlich.
Bei Fragen zur Produktsicherheit wenden Sie sich gerne an uns über das Kontaktformular oder die u.g. Adresse.