Poetische Vernunft im Zeitalter gusseiserner Begriffe
Buch

Poetische Vernunft im Zeitalter gusseiserner Begriffe

207 Seiten, Klappenbroschur
Preis: 14,00 €
Die gusseisernen Begriffe unserer Zeit, die sich so sehr auf der Seite des Guten wähnen, aber gar nicht mehr empfunden werden, zerstören das Gleichgewicht der Wahrheit und schicken Frequenzen der Störung aus, die sich etwa dann zeigen, wenn beispielsweise immerfort von Gleichberechtigung oder Solidarität gesprochen wird, ohne dass diese je eingelöst würden. Das entleerte Wort wird mit jeder Wiederholung nur noch leerer ins Gedächtnis eingepflanzt, bis es gänzlich in die Lüge kippt. Wer sich dieser gusseisernen Gesinnung der Leere hingibt, ohne selbst zu denken, stützt die Sprache der Lüge. Er sieht nicht mehr nach echter Sprache suchend in sich selbst hinein, sondern ertaubt mit der Zeit an der entleerten Wiederholung. Die Integrität der eigenen Wahrnehmung kann ihn dann auch nicht mehr stützen. Von einer solchen Verfasstheit regelrecht im Innen eingezäunt, ist keinerlei Aufbegehren mehr möglich - auch in sich selbst nicht.
Buch
ISBN: 978-3-95757-727-6
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Veröffentlicht: 2019
Schlagworte: Poesie, Autobiografie, Essay, Literaturwissenschaft

»Ja, diese Essays sind eine wirkliche Grundlagen-›Schrift‹, die als philosophische Thesenschrift, in dieser renommierten Reihe exzellent platziert, rezipiert werden sollte, in aller Breite und deshalb zur Lektüre dringend empfohlen werden soll, gerade in Zeiten, in denen der Appell an die Vernunft nicht einen gusseisernen Begriff meint, sondern eine genau gefühlte Verantwortung jedes/jeder Einzelnen für die Pluralität des Wir, auf der Basis eines Sprache, die Verwundbarkeit und Zerbrechlichkeit klar benennt.«
– Maria Behre, literaturkritik.de

»Bodrožić will den Menschen nicht noch mehr nehmen, sondern ihnen, denen äußerlich schon so viel genommen wird, innerlich ein Kraftzentrum zurückgeben.«
– Christian Lamp, Nilpferdkönige

»In ihrem Bestreben, ›blickmündig‹ (S. 18) zu werden, entwickelt Bodrožić gewissermaßen einen Schicksalsblick, der immer offen bleibt und so die innige Verbundenheit des Selbstes mit der Welt in Erscheinung treten lässt, ohne in eine Opferrolle zu verfallen.«
– Stephan Stockmar, DieDrei

  • Marica Bodrožić

    Marica Bodrožić, 1973 im Hinterland von Split, Dalmatien, geboren,  siedelte 1983 nach Hessen über. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays. Nach ihrem Debüt ›Tito ist tot‹ (2002) erschienen zahlreiche Bücher, die sich mit Gedächtnis und Erinnerung,  Philosophie und Mystik ... mehr