Retro
Buch

Retro

191 Seiten, gebunden
Übersetzung: Christian Ruzicska
Preis: 19,90 €
Auch erhältlich als Ebook Ebook

Nur für Erwachsene

Paris 1998. Von exzessivem Drogenkonsum gelangweilt und erschöpft begibt sich Olivier auf eine Reise in seine Vergangenheit. Unvermittelt fi ndet er sich im Jahr 1978 wieder; er ist zehn und hat die Erinnerungen eines Dreißigjährigen. Es ist die Zeit der ausschweifenden Partys, der schrankenlosen sexuellen Promiskuität und der mondänen Dekadenz. Die Windungen der Zeit sind außer Kraft gesetzt, es herrscht das Gesetz der Lust und langsam beginnt der Leser den Eros des Bösen zu ahnen, der sich in einer Orgie aus Gewalt und Sex entlädt. Als Olivier wieder in der Gegenwart auft aucht und der Horror in die Erinnerung entlassen wird, verwischen sich alle Gewissheiten über Opfer und Täter, Wirklichkeit und Fiktion. »Retro« ist ein Roman zwischen Traum und Albtraum, ein gefährliches Spiel mit der Zeit und den Schichten der Wirklichkeit; ein Roman, der die Grenzen von Gut und Böse, von Erinnerung und erlebter Vergangenheit überschreitet; ein Roman, der mit der Kindheit, die er preisgibt, restlos alles zur Disposition stellt.
Buch
ISBN: 978-3-88221-529-8
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Veröffentlicht: 2010
Originaltitel: Rétro (Französisch)
Schlagworte: Liebe, Roman, Partner, Sex, Skandal, Skandalroman, Shades of Grey, 50 Shades of Grey, Michel Houellebecq, Orgie, Drogen, Party, Paris, Lust, Eros, Erotik, Traum, Albtraum, Wirklichkeit, Psychose, Ausweitung der Kampfzone, Elementarteilchen, Marquis de Sade, de Sade, 120 Tage von Sodom, 120 Tage, Frédéric Beigbeder, Beigbeder, Houellebecq, E. L. James, Literatur, Frankreich, Sexualität

»Retro verlangt der Leserschaft zweifellos so einiges ab, vor allem mit drastischen Schilderungen. Der Roman polarisiert – auch eine Aufgabe der Literatur.«
EURO, Januar 2011

»Dem Autor gelingt der Bruch der Darstellung und der Entzug der Darstellbarkeit schlechthin als Erforschung der selbst mitinszenierten Nachfälschung einer temporalen und emotionalen Dekonstruktion des eigenen Ichs. Prousts Erinnerungsrituale, Batailles Überschreitungsprozesse und De Sades klaustrophobische Einschließung stehen Pate bei der fortschreitend irrealisierten, geradezu Kafkaesk problematisierenden Reise in die verlorene, vielleicht niemals wirklich erlebte Unschuld, einer entwirklichten Phänomenologie einer so oder so entschwindenden und entfremdeten Kindheit, in der sich Sensibilität und Stumpfheit, Abenteuerlust und Sehnsucht, Angst und Verlangen, Dummheit und Verschlagenheit, Verführbarkeit und Freiheitsdrang in erotischen Spielen jenseits von Reinheit und Nichtwissen manifestieren, unter der sanften oder heftigen Kontrolle von erwachsener Integrität oder neidvoll berechnend eingreifenden Lüsternheit auf das Kindsein und Jungsein. Boullière malt das Szenario der beginnenden Abstumpfung, Gefühlsarmut und Indifferenz aus, er schafft so ein spekulatives Gegengewicht gegen die Ungeheuerlichkeit der oft plakativ aufbereiteten Medienerzählungen von Missbrauch, Vergewaltigung und Pädophilie, ohne den entscheidenden Tatsachen der ideologischen Verdammung oder Schönfärberei und der klaren psychischen und seelischen Freiheitsberaubung das Gewicht zu nehmen.«
Peter Brinkemper, Glanz & Elend, 27. Juli 2010

»Ein schonungslos radikaler Roman, in dem Misshandlungen und Exzesse nicht nur die zeitlichen Dimensionen aufheben, so dass – zwischendurch und kurzfristig – der Eindruck ensteht, der göttliche Marquis sei für flüchtige Momente wieder auferstanden, um mit seiner alten Erfahrung für eine neue Zeit die Philosophie im Boudoir umzuschreiben. (...) Verfasst in einem brillant-literarischen Stil, der frei aller Hemmungen und ohne Schnörkel vom dekanten Heranwachsen der wohlsituierten Jugend berichtet – und von den üblen Machenschaften krimineller Päderasten.«
KLAUS FERENTSCHIK

»“Retro“ durchzieht (...) eine beunruhigende Ambivalenz, verdichtet durch Sätze von philosophischem Gehalt (...). (...) [D]as Abstoßende, Hässliche, Widerwärtige zieht seit Urzeiten die Menschen in den Bann.«
Michael Böhm, Datum, 7-8/10

»[D]as Buch wirft schwierige Fragen auf. Die sexuelle Ebene des Textes wirkt von Seite zu Seite bedrohlicher, der Leser wird immer verstörter. Und das dicke, orgiastische Ende kommt. Will man Vergleiche ziehen, schwankt man zwischen Houellebecq und de Sade.«
Tobias Schwartz, zitty, Heft 13/2010

»Der Debütautor Olivier Bouillère hat mit „Retro“ einen in Frankreich heiß diskutierten Skandalroman geschrieben, der die Grenzen zwischen Vergangenheit und Jetzt, zwischen Fantasie und Wirklichkeit, zwischen Gut und Böse bewusst verschiebt. Eine faszinierende Lektüre.«
F.A.Z. – Hochschulanzeiger, 15. Juni 2010

»Ein äußerst spannendes und gut geschriebenes Buch.«
Rolf G. Klaiber, LEO, Juni 2010

»„Retro“ ist eine zutiefst verstörende Zeitreise, die das Exzessive nicht ausspart. Alle Gewissheiten geraten ins Wanken: die zeitlichen wie die moralischen. In einer kommentarlos nüchternen, knappen, doch immer zupackenden, mitreißenden Prosa lockt uns Olivier Bouillère in den Abgrund des Sexuellen. Frei nach dem Motto: Alles Denkbare ist auch möglich.«
Christoph Vormweg, WDR 3, 30. Mai 2010

»lustvoll, verstörend und manchmal gefährlich«
Rendel Morsbach, ekz.bibliotheksservice, 18/2010

»[Retro] fährt alles auf, was unter die Haut geht und bleibt nah dran bei der Beschreibung von Gewalt, Exzess und dekadenter Ausschweifung. Der Roman setzt dort ein, wo die Vernunft aussetzt. (...) Was geschieht, ist Vision, Traum und Albtraum ebenso wie hautnah Erlebtes.«
Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten, 15. Mai 2010

»Das Besondere an dem literarisch anspruchsvollen, düsteren Buch ist die Auflösung der Rollenverteilung zwischen Täter und Opfer, zwischen Fiktion und Realität.«
Susanna Gilbert-Sättele, Frankfurter Neue Presse (dpa), 06. Mai 2010

»In skandalisierenden Szenen erkundet [Bouillère] seine Intimität. Zart ist die Sehnsucht nach jenen Jahren des Aufbruchs, als man den Sex ganz enttabuisieren wollte. (...) Man rätselt und als Kritiker stolpert man. Ein gefährliches Buch. Voller Ambivalenz. Selbst nach zehn Jahren Sade-Übersetzen könnte ich nicht sagen: So soll man einen solchen Text lesen – oder ob man ihn überhaupt lesen kann im heutigen Kontext. Jedenfalls nur auf eigene Verantwortung.«
Stefan Zweifel, DU Magazin, Mai 2010

»Was überdreht wie eine weitere Frédéric-Beigbeder-Obsession zwischen Koks und Kotze beginnt, täuscht zwischendurch Spielerisches vor und liest sich wie eine sexuelle Erweckungs- und Erkundungstour für einen Unschuldigen, der längst alle Unschuld verloren hat. Doch genial eingeflochten mehren sich die Warnsignale, die aus der Umnebelung wie grelle Lichter hervorleuchten: Was Olivier erlebte, ist der schiere Horror. Ein hartes Buch, ein gutes Buch – und so schwer verdaulich.«
Rupert Sommer, In München, Mai 2010

  • Olivier Bouillère

    Olivier Bouillère, geboren 1970, ist Architekt und Philosoph. Die Übersetzung seines Romandebuts Retro erschien bei Matthes & Seitz. Für dessen Nachfolger Le Poivre erhielt Bouillère 2013 den Prix Françoise Sagan. Er lebt in Paris