Rio Bar

Rio Bar
Rio Bar

192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Übersetzung: Alida Bremer

Erschienen: 2008
ISBN: 978-3-88221-715-5
Preis: 17,80 €

Ivana Sajko - die Bombenfrau

Eine Frau sitzt in einer Bar und trinkt, um zu vergessen. Sie berichtet vom Krieg und von der Hochzeit in jener Nacht, in der er begann. Ivana Sajko erzählt bewegend, kraftvoll und mit abgründigem Humor eine bittere Geschichte aus einer Welt in Trümmern. Das Hochzeitskleid wird in diesem Roman zu einem Utensil für alle Lebenslagen. Ivana Sajko zerschneidet es zu Verbänden für Verwundete und Damenbinden, sie schläft in ihm in einem Flüchtlingslager, verschmilzt mit ihm zur Siegesfahne und bedeckt sich damit, als sie nach dem Krieg ihren Bräutigam bei den Behörden suchen geht, die die Listen der Toten und Vermissten verwalten. Den Krieg erspürt sie mit ihrem Körper, sie denkt mit ihrem Körper und zeigt, dass es nicht reicht, Dinge zu »wissen« - man muss sie »spüren«, um sie zu verstehen. Aus der Perspektive einer Frau, die nichts mehr zu verlieren hat, denkt Sajko in diesem »Roman in acht Monologen für acht Schauspielerinnen in weißen Hochzeitskleidern « über die Unmöglichkeit der Liebe, das Warten auf den »Richtigen«, die Einsamkeit und die Heimatlosigkeit nach. »Atmosphärisch dicht und in einer starken, bildhaften, geradezu körperlichen Sprache macht Ivana Sajko das Trauma eiiner kriegszerstörten Frau spürbar, die ein "Minenfeld zwischen den Schläfen trägt, das im Begriff ist, jeder zeit zu explodieren.« Maike van Schwammen auf »ARTE« am 18.3.2008

Weitere Informationen

Ivana Sajko über Rio Bar

»Mein Roman erschöpft sich nicht im Thema Krieg. Die Komplexität dieses Themas ist ähnlich wie bei der Komplexität des Themas Liebe. Und in diesem Sinne beschäftige ich mich nicht mit verfeindeten Seiten und einer Position zu diesen Themen, ich beschäftige mich nicht mit der Frage, wer als erster begonnen hat und wer was getan hat ... Es ist nicht möglich, eine Position zu finden, aus der man über das Thema Krieg sprechen kann. Rio Bar ist aus vier verschiedenen möglichen Positionen geschrieben.

Der Roman hat den Namen Rio Bar deshalb bekommen, weil ich den Roman in der Rio Bar geschrieben habe. Es ist absichtlich so, dass der Prozess des Schreibens und die Tatsache, dass ich faktisch in der Rio Bar geschrieben habe, ein Teil des Romans ist. Und ich frage mich jetzt schon, wie ich meinen nächsten Roman nennen werde, weil ich noch nicht weiß, wo ich ihn schreiben werde.

Ich sage oft, dass der Text ein Körper ist, und diese Körper berühren sich gegenseitig, verflechten sich, sind in einem Verhältnis miteinander, und ich benutze ja auch verschiedene, ich arbeite mit dokumentarischen Texten, mit verschiedenen Auszügen, falschen und echten Zeugnissen, dann auch, wie jetzt in Rio Bar, mit verschiedenen Ebenen der Realität, die sich auf verschiedenen Text-Ebenen realisieren, und ich bringe sie alle in ein Verhältnis zueinander, benutze sie auf bestimmte Art und Weise, um eben meine Texte zu erschaffen und über ihre eigenen referentiellen Felder zu reflektieren.

Während alles andere Konstellationen sind, die eine fiktive Welt erschaffen, wird in Monologen ein Sich-direkt -Wenden an das Publikum geschaffen, also, nur die Monologe zeigen, dass wir uns in einer fiktiven Welt befinden, in dieser direkten Zuwendung an das Publikum, während alles andere, diese fiktive Welt und die Gestalten, die sich in dieser fiktiven Welt bewegen, etwas vortäuschen. Hier aber, wenn ich mich mit einem Monolog an jemanden wende, zeige ich, dass ich dessen bewusst bin, dass wir uns in einer Fiktion befinden.«

(Ivana Sajko in einem Interview des WDR 3, Art, in der Übersetzung von Alida Bremer; www.wdr.de/radio)

Pressestimmen

»Sajko ist eine der herausragendsten Stimmen der jungen kroatischen Literatur.«
Thomas Bürgisser, WOZ, 15. September 2011


»In einem fragmentarischen Stil, der zwischen monologischen, dialogischen und erzählerischen Passagen auf verschiedenen Zeitebenen changiert, entwirft Ivana Sajko das schmerzhafte Bild einer Frau, die sich allumfassend von Barbarei umgeben fühlt. Inneres und äußeres Drama verschmelzen in dieser Person zu einem einzigartigen Konglomerat. Dennoch verliert sie nicht den Humor[...]. Den leidenschaftlich subjektiven Blick konterkariert Sajko sehr klug mit vierzehn Fußnoten [...]. In diesen Texten liefert die Autorin sachlich, akribisch genau und mit exakten Quellennachweisen Hintergrundinformationen zu den Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsereignissen, die gleichsam die objektivierende Klammer um das individuelle Schicksaal der Protagonistin bilden. [...] Mit den beiden Ebenen erreicht das Buch den Leser mit doppelter Wucht. Ivana Sajko hat für die Wut, die Trauer, den Schmerz, das Verlorensein eine sehr einfallsreiche Sprache gefunden und äußert sich zugleich nüchtern distanziert hinsichtlich der Sachinformationen. Durch diese kompositorische Verschränkung nimmt die Autorin den Leser sowohl intellektuell als auch emotional gefangen.«
Martin Sanner, Südosteuropa Mitteilungen, März/April 2009


»Sajko erzeugt durch die zersplitterte Perspektive und die physische Bildsprache einen verstörenden Trip-Effekt. Sie entwirft einen fast hoffnungsfreien Kosmos der Barbarei, in dem sich der Hass mittlerweile auf neue Ziele verlagert hat - Touristen und andere ausländische Investoren. Doch immerhin: Die Trinkerin ertrinkt nicht.«
Nadine Lange, Tagesspiegel, 12. März 2008


»Die 33-jährige Ivana Sajko ist eine der bedeutendsten Stimmen Kroatiens - als Autorin, Dramaturgin und Regisseurin. Vertreibung und Flucht haben sie unwillkürlich zu einer wichtigen Zeugin innerer und äußerer Verwüstungen ihres Landes gemacht.«
Berliner Morgenpost, 14. März 2008


»Atmosphärisch dicht und in einer starken, bildhaften, geradezu körperlichen Sprache macht Ivana Sajko das Trauma einer kriegszerstörten Frau spürbar, die ein Minenfeld zwischen den Schläfen trägt, das im Begriff ist, jederzeit zu explodieren.«
Maike van Schwammen, ARTE, 18. März 2008


»Sajkos beklemmend ausdrucksstarke Sprache und der unkonventionelle, szenenhafte Bauplan des Romans zeigen deutlich die Handschrift der Autorin, die bislang als experimentierfreudige Dramatikerin und Regisseurin gearbeitet hat und in ihrem Heimatland sehr erfolgreich ist.«
Olga Hochweis, DeutschlandRadio, 14. März 2008


»Rio Bar besticht durch das Spiel mit Perspektiven, Rückblenden und Alpträumen im Delirium, die sich zwar erst im Laufe des Buches wirklich zu einem Ganzen verbinden, aber nie undurchschaubar wirken. In Sajkos abgründigem Humor offenbahrt sich die Ohnmacht, mit der der Einzelne den Bomben gegenübersteht (...).«
Anika Galisch, Magazin Kreuzer, logbuch, März 2008


»Ivana Sajko lässt in dem 2006 erschienenen Buch mit dem irreführend harmlosen Titel Rio Bar ihre Protagonistinnen, eine durch die Kriegs-, die andere durch die Nachkriegsgesellschaft Kroatiens, so qualvoll hoffnungslos irren, wie wir es noch nicht gelesen haben. [In Rio Bar] wechseln die beiden Ebenen des Romans hin und her und verweben zur meisterhaften Reflexion über Gewalt, individuelle Verantwortung und Einsamkeit.«
Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung, 29. Mai 2008


»Ivana Sajko hat ein starkes Gespür für ausdrucksstarke Szenen und Sprachbilder. Deshalb lässt sich der Leser hineinziehen in den Gedankenstrom, an dessen Ende die Desillusionierung einer vom Krieg gezeichneten Frau steht.«
Winnie Bennedsen, radio mephisto 97.6, 25. Juni 2008


»Ivana Sajko gelingt es, die schmerzvolle Unruhe ihrer Protagonistin spürbar zu machen, auch wenn sie nicht direkt angesprochen wird. (...) [I]n ihren Texten ist die Dringlichkeit spürbar, zu sagen, wie es wirklich war.«
Sabina Brunnschweiler, WOZ, 14. August 2008


»(...) [E]ine Bestandsaufnahme von Grausamkeit und Gleichgültigkeit. Trotzdem schafft es Sajko, dass ein, manchmal bitteres, Lachen diesen Text begleitet... Das liegt (...) vor allem an der Unmittelbarkeit, der Bühnenpräsenz dieser Stimmen, die von Alida Bremer überzeugend ins Deutsche übertragen wurden (...) beeindruckendes Debüt.«
Beatrix M. Kramlovsky, Die Furche, 21.August 2008


»›Bombenfrauen‹ motiert die letzten Gedanken einer Selbstmordattentäterin mit Faktenmaterial.(...) Sajkos chimärenhaftes Theater überschreitet Genregrenzen aus Prinzip. Es ist alles auf einmal: episch und lyrisch, diskursiv und archaisch, abstrakt und phantastisch, lautmalerisch und launenhaft.«
Judith Leister, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. November 2008


»Mehr als zehn Jahre nach der Operation Sturm zeugt das Buch von der Aktualität des Krieges und der andauernden Betroffenheit der Bevölkerung. Politische oder nationale Parteinahme ist auch dieser Autorin fremd. Menschliche Verletzbarkeit gilt es zu erinnern. Ohne die Täter zu identifizieren oder anzuklagen (...) , ist die Literatur damit ein entscheidendes Stück weiter als Politik und Justiz.«
Andrea Zink, Baseler Zeitung, 11. Oktober 2008
  • Ivana Sajko

    • Auf dem Weg zum Wahnsinn (und zur Revolution)

      Auf dem Weg zum Wahnsinn (und zur Revolution)

      311 Seiten, Gebunden
      Preis: 19,90 €
      Buch

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