Stunde Null

Deutschland unter den Besatzungsmächten

Stunde Null
Stunde Null
Deutschland unter den Besatzungsmächten

440 Seiten, geb. mit Schutzumschlag

Übersetzung: Mit einem Anhang von László F. Földényi

Erschienen: 2004
ISBN: 978-3-88221-809-1
Preis: 24,80 €

Waghalsige Gratwanderung durch die deutsche Nachkriegsgeschichte

Stunde Null. Deutschland unter den Besatzungsmächten ist der bissige, polemische, aber auch nachdenkliche Bericht von den Trümmerlandschaften der schwindelerregenden deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Mitbegründer und damalige Chefredakteur der ZEIT, Richard Tüngel, und der Schriftsteller Hans Rudolf Berndorff nehmen die Leser mit zu den Schauplätzen einer wiederzuentdeckenden deutschen Geschichte: nach Hamburg ins halbzerstörte Pressehaus zur Gründung der ZEIT; nach Lüneburg, Nürnberg und Dachau zu den Kriegsverbrecher- und KZ-Prozessen und nach Berlin, in die geteilte Stadt. Die Erzählhaltung oszilliert dabei zwischen dem engagierten Ernst Tüngels und der scheinbar ungerührten Flapsigkeit Berndorffs. In den autobiographischen Reportagen des Autorenduos, die durch Original-Kommentare und Rückblicke ergänzt werden, kommt bereits alles zur Sprache, worüber im Zuge der Vergangenheitsbewältigung auf Jahrzehnte hinaus zu streiten sein wird.

Stunde Null. Deutschland unter den Besatzungsmächten ist eine zwei Generationen später waghalsig anmutende Gratwanderung durch die deutsche Nachkriegsgeschichte. Schon bei seinem ersten Erscheinen 1958 - unter dem polemischen Titel "Auf dem Bauche sollst Du kriechen" - ein streitbares Buch und heute ein zur differenzierten Lektüre herausforderndes Zeitdokument.





Stimmen



"Zierlich. Rührend großäugig, wenn er die starken Gläser der Kurzsichtigen ablegte. Hilfsbereit und unbequem. Genialisch und der personifizierte Widerspruch. Künstlernatur." Gerd Bucerius: "Er war mir als der unruhige Geist, als der Geist der Unruhe geschildert worden." Ralf Dahrendorf: "Chefredakteur Tüngel war ein schwieriger, zugleich geachteter und gefürchteter Zeitgenosse (...) Einer, der eigentlich links hätte sein müssen und doch rechts stand."

Josef Müller-Marein





Leseprobe



Einmal hatte ich mit Dr. Hjalmar Schacht zu arbeiten. Es war im Grand-Hôtel in Igls in einem Salon des zweiten Stocks (...) da sprach ich mit ihm über das Zustandekommen des Young-Planes. Viele Zahlen, viele wirtschaftliche und finanzielle Probleme hatte ich aufgeschrieben. Ich konnte nur hoffen, dass ich alles bald wieder vergessen würde. - Also gut, sagte ich zu Dr. Hjalmar Schacht, jetzt möchte ich noch etwas Menschliches. -Menschliches gab es nicht. - Also vielleicht ein bisschen über das Innenleben Ihrer Vertragspartner. - Hatten kein Innenleben. - Nun gut! Passierte denn nicht irgend etwas Nettes dabei? Vielleicht kam eine Katze ins Zimmer oder ein Hund oder draußen spielte jemand Drehorgel (...) - Gar nichts! Hab Hunger! Wollen hinuntergehen. - Auf der Treppe blieb er stehen: Wissen Sie, so Zufälligkeiten. Auch hier. Hat nichts mit dem Young-Plan zu tun. Deshalb nicht erwähnenswert. Wie ich die Feder ansetze, fängt alles plötzlich lichterloh an zu brennen. Ganzer Raum steht in Flammen. Belangloser Kurzschluss. Können die Sache aber nicht erwähnen, da ursächlicher Zusammenhang fehlt.



Hans Rudolf Berndorff





Eine schwere Aufgabe wartete nun auf mich: der erste Nürnberger Prozess war zu Ende und das Urteil gesprochen. Ich musste dazu Stellung nehmen, unabhängig von der Meinung der Besatzungsmächte und ebenso unabhängig von der Meinung fanatischer Nazis oder Anti-Nazis. Ich musste als Deutscher sprechen, den es damals eigentlich gar nicht gab, als ein leidenschaftsloser Betrachter nämlich. Aber leidenschaftslos war niemand von uns, und auch ich hatte einen brennenden Zorn im Herzen. Ich will diesen Leitartikel zitieren; ich glaube, dass er genau die Situation zeigt, in der wir uns befanden, wir, die wir uns vorgenommen hatten, die Deutschen gleichzeitig strafend ermahnen zu müssen und auch zu verteidigen.



Richard Tüngel

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