Lesung und Gespräch

Agnese Grieco stellt im Gespräch mit Astrid Deuber-Mankowsky und Marco Formisano »Phädras Ehre« vor

Freitag 14.10.2022, 19:00 Uhr, ICI Berlin - Institute for Cultural Inquiry, Berlin

Verliebt sein als philosophischer Zustand. Eros als anthropologischer Code innerhalb und jenseits der Geschlechterspaltung. Phädra, ‘die Leuchtende‘ – geboren im Griechenland der Antike und zu Hause im Theater der Welt – verkündet über die Jahrhunderte hinweg ihre tiefgründige Liebeslehre. Das Schicksal der Tochter der Pasiphae, Braut des Helden Theseus, die sich nach dem Willen der Aphrodite in den eigenen Stiefsohn, den wunderschönen Frauenhasser Hippolytos, verliebte, hat Dichter*innen und Denker*innen immer wieder fasziniert. Von Euripides bis Zwetajewa, von Ovid bis Racine, von Seneca bis Yourcenar, Gide, Enquist, Sarah Kane und Miguel de Unamuno. Phädra ist keine unbescholtene Heroine, keine ethische Heldin, sondern eine verliebte Dark Lady, Selbstmörderin und Mörderin. Eine Lügnerin und Intellektuelle, die stolz und verwundet als weibliche/männliche Stimme auf der Bühne mit Platon, Sokrates und den Sophisten debattiert. Ihr philosophischer Diskurs beleuchtet die Fesseln der Misogynie und den Knebel des Patriarchats, die Abgründe des Begehrens und der Macht, aber auch die Gewalt, die in der Sprache haust. Aus der Ferne der altgriechischen Tragödie wirkt Phädras Parabel wie der enthüllende Spiegel eines beklemmenden Unbehagens. Ihre schmerzliche Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit, die in der Liebeskrankheit zum Stigma wird, kann bei Euripides als provozierendes Manifest gegen den allgegenwertigen Fetisch der Identität gedeutet werden und als Zeugnis enttäuschter Sehnsucht nach Gemeinsamkeit und Sinn für Gerechtigkeit. Am Ende bleibt das Schaukeln ihres Körpers am Strick – in der Leere zwischen Ehre und Scham, Wissen und Wahn.

Um Anmeldung wird gebeten unter: chris.wunsch@ici-berlin.org

Ort

ICI Berlin - Institute for Cultural Inquiry
Christinenstr. 18/19
10119 Berlin

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Eintritt: frei

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