Es genügt eine Bemerkung der Nachbarin, die erzählt, dass in ihren Kindertagen die Oder vor der Haustür noch voller Flussperlmuscheln war – und Björn Kerns Neugier ist geweckt. Unbedingt will er die selten gewordene Süßwasserbewohnerin auffinden, die einen wundersamen Lebenswandel pflegt: Während ihre Frühform für einige Monate in den Kiemen der Bachforelle lebt, kann die ausgewachsene Muschel weit über hundert Jahre alt werden und Perlen ausbilden – aber nur, wenn sie zuvor verletzt worden ist. Während seiner Suche entsteht für Björn Kern eine innere Verbundenheit mit der über 250 Millionen Jahre alten Art, die ihn immer wieder und immer weiter ins Wasser führt, und der Wunsch nach Ursprünglichkeit in einer übernutzten Welt: Wie staunt man aufgeklärt? Wie lässt sich das stete Verlangen nach Ausweitung kurieren? Und wie können wir unsere Lust am Leben anders stimulieren als durch den vernutzenden Konsum, der unsere sinnlichen Bedürfnisse doch niemals befriedigen kann?
Aufgeklärtes Staunen handelt von dem augenöffnenden Geschenk eines Erlebens, das sich aus dem Nicht-Finden speist, einer körpernahen, sinnlichen Fülle, die eine lebendigere Form von Reichtum für uns alle bereithält.
Björn Kern, 1978 im Südschwarzwald geboren, lebt mit seiner Familie im Oderbruch. Studium in Tübingen, Passau und Aix-en-Provence sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschienen u.a. der Roman Solikante Solo, die Wachstums-Verhinderungsfibel Das Beste, was wir tun können, ist nichts und der Nature-Writing-Essay Im Freien (alle S. Fischer).
Das Flugzeug rollt an, setzt an und beschleunigt zum Abflug, doch die Gedanken des Erzählers in Alexander Rudolfis Debütroman drängen zurück. Zurück auf die italienische Insel, wo er Gramscis Gefängnishefte gelesen, das politische Zeitgeschehen beobachtet, S. kennengelernt und mit ihr Ausflüge in die für ihre Widerstandsfähigkeit berüchtigten, ihrer Tradition stark verbundenen und durch den Abbau von Schwermetallen teilweise unbewohnbar gewordenen Dörfer unternommen hat. So gelangt er bis an die zerklüftete Küste seines Bewusstseins, vermischen sich Zeiten und Wörter, und es stellt sich ihm zunehmend die Frage, wann er die Kontrolle verlor: erst als er sich in die Maschine setzte und sich den Händen eines unsichtbaren Piloten überließ? Oder bereits davor?
In einem dichten Gebilde zwischen lyrischer Reflexion und prosaischem Erleben erzählt Willkommen im Bauch der Maschine rauschhaft und schillernd vom paranoiden Leben in einer technokratischen Wirklichkeit – und vom Versuch, einen Ausweg zu finden.
Alexander Rudolfi, 1987 in Freyung geboren, studierte Soziale Arbeit, Philosophie und Literarisches Schreiben in München, Hildesheim und Sassari. 2022 war er Gewinner beim open mike-Wettbewerb. Seine Arbeit wurde u. a. durch das Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, ein Stipendium des Minerva Kollegs und ein Aufenthaltsstipendium der Künstlerhäuser Worpswede gefördert. Texte sind in verschiedenen Zeitschriften erschienen (manuskripte, Transistor, die horen u. a.). 2022 erschien sein Buch hyperlinklabyrinthe im Verlag parasitenpresse.

