Im Rahmen des Berner Lesefestes Aprillen.
Geschichtsbewusstsein bleibt, gerade in Zeiten wie diesen, eine soziale wie literarisch relevante Grösse. In der diesjährgen Ausgabe des Lesefestes kommen deshalb Historiker:innen mit Schriftsteller:innen zusammen und beschäftigen sich mit Fragen zu Fakten und Fiktion, erzählter und wirklicher Geschichte. Anne Weber wird sich mit der Historikerin und Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger über ihren Text Annette, ein Heldinnnepos unterhalten, für den die Autorin 2020 den Deutschen Buchpreis erhielt.
Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher — wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel »Gerechte unter den Völkern« erhalten wird –, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos. Die mit großer Sprachkraft geschilderten Szenen werfen viele Fragen auf: Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen? Annette, ein Heldinnenepos erzählt von einer wahren Heldin, die uns etwas angeht.
Anne Weber, 1964 in Offenbach geboren, lebt seit 1983 als freie Autorin und Übersetzerin in Paris. Sie hat sowohl aus dem Deutschen ins Französische übersetzt (u. a. Sibylle Lewitscharoff, Wilhelm Genazino) als auch umgekehrt (Pierre Michon, Marguerite Duras). Ihre eigenen Bücher schreibt sie sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache. Ihre Werke wurden u. a. mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis, dem 3sat-Preis, dem Kranichsteiner Literaturpreis, dem Johann-Heinrich-Voß-Preis und dem Solothurner Literaturpreis 2024 ausgezeichnet. 2020 erhielt sie den Deutschen Buchpreis, 2024 außerdem den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis.
