Gespräch

Buchvorstellung: »Kanaga Berlin. Wege eines Verlagssignets« mit Irene Albers, Mansour Ciss Kanakassy und Andreas Rötzer

Dienstag, 20.10.2026, 19:00 Uhr, Verlagsräume Matthes & Seitz Berlin, Berlin

Eine seltsame Kreatur krabbelt über die Buchrücken von Matthes & Seitz: Seit 1977 verwendet der Verlag die Zeichnung einer Maske der Dogon (im heutigen Mali) vom Typ »Kanaga« als Signet. In der gleichen Zeit wurde das Zeichen zu einem, wenn nicht sogar dem Symbol eines dekolonisierten afrikanischen Selbstbewusstseins.

Dieser von Irene Albers herausgegebene Band versammelt Text- und Bilddokumente zur Provenienz und Bedeutungsvielfalt des Kanaga-Zeichens. Fasziniert von den Masken der Dogon pausten Marcel Griaule und Michel Leiris 1931 die farbigen Wandzeichen in verschiedenen Höhlen in der Nähe von Bandiagara ab und versuchten, sie zu dechiffrieren. Die Graffiti fanden sich dann in einer der Mission Dakar-Djibouti gewidmeten Ausgabe der Zeitschrift Minotaure, der Axel Matthes später sein Verlagssignet entnahm. Auch andere wussten die emblematische Kraft des Zeichens zu nutzen: 1947 wählte Alioune Diop ein ähnliches Graffiti als Logo für den Verlag Présence africaine. Sylvie Kandé und Éric Jolly geben Einblicke in die globale Zirkulation des Zeichens, während der Künstler Mansour Ciss Kanakassy (Berlin/Dakar) sich den Berliner Kanagas widmet.

 

Irene Albers ist seit 2004 Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und für Romanische Philologie an der Freien Universität Berlin. Sie studierte in Tübingen, Tours und Kons tanz. 2018 erschien Der diskrete Charme der Anthropologie – Michel Leiris’ ethnologische  Poetik bei Konstanz University Press. 2022 gab sie die erweiterte und bearbeitete Neuausgabe von Leiris’ Phantom Afrika bei Matthes & Seitz Berlin heraus. Seit 2023 befasst sie sich zusammen mit Andreas Schmid mit der kolonialen Aneignung von Oraturen und mit philologischer Provenienzforschung. 2024 erschien das mit Éléonore Devevey herausgegebene Dossier der Zeitschrift Gradhiva »Paroles spoliées – Itinéraires de la littérature orale«. 

Mansour Ciss Kanakassy, geboren 1957 im Senegal, studierte von 1973 bis 1977 in Dakar am Institut National des Arts, das von Senghor und seiner kulturpolitischen Agenda einer Zurückgewinnung afrikanischer Traditionen mit den Mitteln der europäischen Moderne geprägt war. Nach einer Begegnung mit Senghor 1978 nahm Ciss an internationalen Ausstellungen senegalesischer Kunst unter anderem in Mexiko, den USA und verschiedenen afrikanischen Ländern teil. 1984 lernte er in Dakar die deutsche Ethnologin Gudrun Lohrmann kennen, mit der er zwischen 1989 und 1993 in Mali lebte. Nachdem er schon 1988/89 ein Senatsstipendium für die Bildhauerwerkstatt Berlin erhalten hatte, siedelte er 1993 nach Berlin über. Von Hause aus Bildhauer und Textildesigner, arbeitet Ciss auch mit Installationen, Fotografie und digitalen Medien. Seine Arbeiten werden regelmäßig auf der Biennale Dak’Art sowie in deutschen Museen und Galerien ausgestellt. In Berlin hat er sich vor allem einen Namen gemacht als Mitbegründer des Laboratoire de Déberlinisation, das einer umfassenden Revision der Berliner Afrikakonferenz von 1884/85 und ihrer Folgen gewidmet ist. Neben seiner künstlerischen Arbeit engagiert sich Ciss im Bereich der interkulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen. 2002 gründete er in der Nähe von Dakar die Villa Gottlieb als Atelierhaus mit Ausstellungsflächen.

Ort

Verlagsräume Matthes & Seitz Berlin
Großbeerenstr. 57A
10965 Berlin

Weitere Informationen

Eintritt: frei
Moderation: Andreas Rötzer

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