»Die Rede an die Tiere« | Begegnung mit Valère Novarina I

22.04.2017 19:00, Das Berliner Ensemble - Ein Theater für Zeitgenossen

Aus Anlass des Erscheinens der deutschen Ausgabe von »Die Rede an die Tiere« von Valère Novarina im Verlag Matthes & Seitz Berlin laden das Berliner Ensemble – Theater am Schiffbauerdamm und Deutschlandradio Kultur zu einer zweitägigen Begegnung mit einem der bedeutendsten lebenden Theaterautoren Frankreichs ein: mit Buchpremiere, szenischer Lesung, Gespräch und Hörspiellounge. Der Autor wird, gemeinsam mit dem Schauspieler Jens Harzer (Thalia Theater Hamburg), Auszüge aus diesem legendären Monolog in Deutsch und Französisch vortragen und am nächsten Morgen in einer Matinee seine Gedanken über »entgleisende Sprachen« in Literatur und Übersetzung, im Alltagsgebrauch und nicht zuletzt im aktuellem Politikgeschehen im Gespräch mit der Schriftstellerin Kathrin Röggla und dem Schriftsteller und Verleger Ulf Stolterfoht teilen, moderiert von Novarinas Übersetzer Leopold von Verschuer. Im Anschluss an beide Veranstaltungen bietet die BE-Hörspiellounge im »Gartenhaus« bei einem Glas Rotwein die Gelegenheit, »Die Rede an die Tiere« nun im Ganzen als zweiteiliges Hörspiel, in der berührenden Interpretation von Jens Harzer unter der Regie von Leopold von Verschuer zu erleben, eine neue Produktion von Deutschlandradio Kultur.

Die Texte Valère Novarinas sprengen Gattungsgrenzen. Sie sind ein inzwischen vierzig Jahre währender performativer Selbstversuch in einem exzessiven Schreibakt, der den Ansatz des automatischen Schreibens der Surrealisten bis zu einer letzten, von ihnen selbst gar nicht erdachten Konsequenz führt. Aus dem anarchischen Boden der Sprache erklingt diese »Rede an die Tiere« als vielstimmiger labyrinthischer Selbstdialog. Er mobilisiert die Vitalität von Sprache jenseits bloßer Repräsentation und fordert zu einem geradezu körperlichen Hören heraus. Sprechen ist für Novarina Verkörperung und Umkehrung von Wirklichkeit in einem, in einer Sprache voller Wortneuschöpfungen, wankender Grammatik, Wechsel der Sprachebenen, umgangssprachlichen oder berufsspezifischen Wendungen, Aufzählungen von Eigennamen, Wechselwirkungen zwischen Wortklang und Inhalt. Man könnte auch sagen: Sprache als Tanz. Valère Novarina geboren 1947 in Genf, studierte in Paris Philosophie und Literatur und schloss mit einer Arbeit über Artaud ab. Er verabschiedete sich von der Idee, Schauspieler zu werden, und begann 1978 zu publizieren sowie, als gestische Fortführung des Schreibens, zu zeichnen. Neben seine Theaterstücke stellt er Texte, die er als »utopisches Theater«, Dialogromane, vielstimmige Monologe und Poesie in Akten bezeichnet. Zu dieser Kategorie gehört »Le Drame de la vie«, das er 1986 erstmals selbst beim Festival von Avignon inszenierte, und dessen 2567 Figuren er anschließend drei Tage lang öffentlich zeichnete. Weitere Inszenierungen folgten, die seit den 1990ern an großen Pariser Bühnen liefen und auf Tourneen bis zu 100 Vorstellungen erreichten. 2006 wurde er zu Lebzeiten ins Repertoire der Comédie Française aufgenommen. 2007 eröffnete er mit »L’Acte inconnu« (Der unbekannte Akt) das Festival von Avignon auf der 40 Meter breiten Bühne des Ehrenhofs im Papstpalast. 2010-11 war er Hausautor am Pariser Odéon - Théâtre de l’Europe. Im steten Wechsel mit seinen Theatertexten erscheinen seine theoretischen Reflexionen, die um seinen Laborversuch Schreiben und die Körperlichkeit von Sprache im Raum kreisen.

Es lesen der Schauspieler Jens Harzer und der Autor (auf Deutsch und Französisch), Begrüßung durch Andreas Rötzer, Verlag Matthes & Seitz Berlin.

Saal Alte Probebühne, um 19:00 Uhr (60 Minuten).

Hörtheater in der BE-Hörspiellounge: Deutschlandradio-Hörspiel »Die Rede an die Tiere«, Teil 1: Das Tier der Zeit, mit Jens Harzer und der Stimme des Autors, Regie Leupold von Verschuer. (Bei einem Glas französischem Rotwein)

Gartenhaus, um 20:30 Uhr (80 Minuten)

Ort

Das Berliner Ensemble - Ein Theater für Zeitgenossen
Bertolt-Brecht-Platz 1
10117
Berlin

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