ENTFÄLLT: Wenn Menschen zu Figuren werden – Gespräch zwischen Anne Weber und Thomas Stangl

Dienstag 29.09.2020, 19:00, Alte Schmiede, Wien, Österreich

DIE VERANSTALTUNG ENTFÄLLT!

Im Rahmen der Reihe »Gesellschaftsräume der Literatur«

»Gesellschaftsräume der Literatur« ist eine 2019 etablierte Veranstaltungsreihe der Alten Schmiede, die jeweils von einem Autorengast mit Kurt Neumann eigens konzipiert wird. Den Ausgangspunkt bilden entweder entstehende oder bereits abgeschlossene bzw. veröffentlichte literarische Arbeiten der jeweils eingeladenen Autorinnen und Autoren, die zusammen mit den gesellschaftlichen Räumen, in denen sie sich formieren oder bewegen, anschaulich gemacht werden sollen. Gesellschaftlich im weitesten Sinn: literarische, künstlerische, wissenschaftliche, kulturkritische, soziale Räume. Damit knüpft die neue Reihe an die jahrzehntelange Praxis der Alten Schmiede an, nicht nur im Bereich der Präsentation und Interpretation literarischen Arbeitens, sondern den Autorinnen und Autoren der österreichischen Gegenwartsliteratur in ihren Produktionsverfahren selbst substantielle Assistenz zu leisten.

Neun Monate nach der Skizzierung ihres Vorhabens legen nun Anne Weber und Thomas Stangl die seither geführte Korrespondenz zu den vielfachen Problemstellungen vor, die sich aus der Literarisierung realer Personen ergeben.

In einem Brief von Ingeborg Bachmann heißt es, dass »man über Menschen nichts weiß, schon das Einfachste nicht... man kann einen Menschen zu tod beschreiben, von allen Seiten her. Wie aber soll man ihn lebendig schreiben, in dem Rahmen, in dem ja nichts lebendig ist und alles Übereinkommen, zu dem man Leser überredet.«
Was für eine Lebendigkeit kann das sein? Was bedeutet es, über jemand anderen zu schreiben: eine reale Person aus der eigenen Familie, dem eigenen Umfeld oder der Geschichte, jemand, der dieses Licht vielleicht nicht gesucht hat?

Anne Weber und Thomas Stangl haben einen Briefwechsel über diese Frage, ihre ästhetischen und auch ethischen Aspekte geführt. Sie sprechen über die Verwandlung des Ich beim Schreiben, über Rücksicht und Rücksichtslosigkeit, über den Raum zwischen dem wirklichen Menschen und dem Menschen als Gegenstand eines Texts, über das Einkapseln und die Befreiung von Figuren, das Echte und das Anders-Echte, und lesen dazu aus eigenen und fremden Texten.

Moderation: Johanna Öttl
Freier Eintritt

Ort

Alte Schmiede, Wien, Österreich
Schönlaterngasse 9
1010 Wien