»Die Wasserbären waren von Anfang unserer Existenz auf der Erde bei uns, und während wir selbstverschuldet ohne den Dodo und den Auerochsen weiterleben müssen, sind die Bärtierchen geblieben.«
Jan Wilm
Natur und das Wechselverhältnis zwischen ihr und den Menschen sind seit Anbeginn der Kunst ein beliebtes Sujet, ob als Metapher in der antiken Mythologie oder als konkreter Rückzugsort wie in Walden, Henry David Thoreaus Versuch, alternative Lebenswege jenseits zivilisatorischer Errungenschaften zu erkunden. In den vergangenen Jahren erlebt die Hinwendung zu Flora und Fauna eine Renaissance in Form des Nature Writings, einem Genre, in dem Kulturgeschichte, Naturwissenschaft und Politik erkenntnisreich aufeinanderprallen.
Bärtierchen, Jan Wilms gerade in einer Sektion der legendären Naturkunden-Reihe erschienener Essay, steht paradigmatisch für die Gattung. Er zeichnet die Forschungs- wie die Popgeschichte des unwahrscheinlichsten aller Helden nach, dem mikroskopisch kleinen, mopsförmigen Überlebenskünstler, der mehr Leben hat als Katzen und Kakerlaken zusammen. Er reflektiert bei der Betrachtung dieses Kleinstwesens darüber, was Zeit eigentlich bedeutet – und ab welcher Größe genau eine Lebensform ernstgenommen werden muss.
Ähnlich vielschichtig und klug bewegt sich Sophia Klink in ihren Publikationen durch die Wissenschaft. In ihrem Kurzprosa und Lyrik umfassenden Band Ich lösche die Kirschen aus meinen Genen (hochroth) sowie in ihrem Debütroman Kurilensee nimmt die studierte Biologin den eigenen Arbeitsalltag zum Ausgangspunkt, um anhand von Bakterien und Forschungsreisen, Tierversuchen und Genetik ganz menschliche Grundfragen zu unserem Dasein literarisch zu umkreisen.
