Literatur im Tandem mit Ivan Jablonka und Claudia Hamm

19.10.2019 16:00, ARTE-Stand, Halle 4.1 / Stand D 14

Mit dem Autor und der Übersetzerin von »Laëtitia oder das Ende der Mannheit«

Packend wie ein Krimi, einfühlsam wie ein Roman, fundiert wie eine soziologische Studie: das Portrait einer jungen Frau als Portrait einer ganzen Gesellschaft. In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2011 wird Laëtitia Perrais 50 Meter von ihrem Haus entfernt entführt, dann erstochen, erwürgt und zerstückelt. Die Lokalnachricht weitet sich zu einer Staatsaffäre aus: Der damalige Präsident Nicolas Sarkozy benutzt den Fall, um seine Law-and-Order-Politik durchzusetzen. 8000 Juristen gehen auf die Straße. Und auch die Medien instrumentalisieren Laëtitias Tod für ihre Zwecke. Ivan Jablonka nähert sich der Nachricht wie einem historischen Gegenstand und Laëtitias Leben als einer sozialen Tatsache: Ihre Biografie lässt den Zustand einer Gesellschaft erkennen, in der Jahre der Sparmaßnahmen die Sozialsysteme geschwächt haben und Gewalt gegen Frauen zum Alltag gehört. Doch wer war Laëtitia? Wie kann man ihre Geschichte erzählen, ohne sie von ihrem Ende her aufzurollen? Gegen alle Erzählungen, die den Täter zum Gegenstand haben, möchte Ivan Jablonka Laëtitia ihre Würde zurückgeben. Er trifft Familienangehörige, Freunde und Protagonisten der Ermittlung und wohnt 2015 dem Prozess des Mörders bei. Zusammen mit den Aussagen der befragten Zeugen entsteht eine sensible, vielstimmige Erzählung über das Leben eines vernachlässigten Mädchens in einem »Wohlfahrtsstaat«.

Moderation: Katja Petrovic

Verdolmetschung: Heidi Ruppert

Ort

ARTE-Stand, Halle 4.1 / Stand D 14
Ludwig-Erhard-Anlage 1
60327 Frankfurt am Main

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