Loops approximierender Luft

Mittwoch 09.12.2020, 19:30, kostenfreier Livestream

Lesung und Gespräch mit Saskia Warzecha, Yevgeniy Breyger und Carla Cerda

Welche Möglichkeiten sprachlichen Bezugs haben Subjekte im 21. Jahrhundert, welche Formen von Intersubjektivität finden sie? In welchen Figuren von Sehnsucht, Abwehr, Überblendung, Verschiebung, in welchen Schleifen findet das Poetische statt? Yevgeniy Breygers Gedichte in seinem zweiten Band »Gestohlene Luft« (kookbooks, 2020) wirken wie Beschwörungen von intergenerationellen und persönlichen Sedimenten, die die Körper des Texts und der Lesenden mit Königreichen, einem Muttergeist, einer Zinsbibel und einer Ente in eine „Seismografische Weite“ zu führen vermögen. In Carla Cerdas Debütband »Loops« (roughbooks, 2020) trifft man auf Textbilder, die auf Brain-Computer-Interfaces namens „Bambi“ und „Sor Juan“ verweisen. Die Sinndeutungen dieser Programme, ihre Lektüren, finden in dauernden Wiederholungen statt – und bald entsteht eine Unsicherheit, wer hier wen liest. Saskia Warzechas Debüt »Approximanten« (Matthes & Seitz, 2020) enthält Texte, die sich der Welt im Modus des Versuchs und im Erproben verschiedener Sprachregister annähern und so das Nähern mit Sprache in all seinen Amplituden selbst darstellen, mit wachem Blick darauf, wo etwas reibt, sich verschließt und wo die Atemluft ohne Hindernis ausströmt. In einer Zeit sich verkapselnder Gegenwelten der Kommunikation verschalten die drei herausragenden lyrischen Neuerscheinungen zahlreiche Sprechweisen und Existenzbereiche, bitten sie zurück an den Verhandlungstisch, ohne sie zu einem Konsens bewegen zu wollen, behaupten nicht einfach Beziehungen, sondern untersuchen gerade die Formen und Bedingungen, um heute Bezug nehmen zu können.

Moderation: Tobias Lehmkuhl

Eintritt: frei

Ort

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