Müllersalon #12 mit Marcus Steinweg

24.02.2019 18:00, Deutsches Theater Berlin

»›Das Einverständnis mit dem Gegenstand trennt die Literatur vom Journalismus‹, sagt Heiner Müller: ›Die Voraussetzung für Kunst ist Einverständnis‹. Die Einverstandenen wollen mit dem Wirklichen kooperieren, um es zu verändern: ›Man kann es überhaupt nicht beeinflussen, wenn man nicht mit ihm einverstanden ist.‹ (...) Einverständnis impliziert kein Urteil. Die Einverstandenen riskieren einen Realitätsbezug ohne Wertung.«

Im Jahr 2004 hielt der Philosoph Marcus Steinweg in der Berliner Akademie der Künste einen Vortrag über das »Subjekt der Überstürzung«; Anlass war Heiner Müllers 75. Geburtstag. Seitdem kehrt Steinwegs unentwegtes Nachdenken über Kunst, Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirklichkeit, Moral oder Liebe immer wieder zu Heiner Müller zurück – und stößt sich von dessen Gedanken ab: zuletzt von Müllers kritischer Analyse des marktwirtschaftlich geprägten »Zeitgeists« einer »totalen Gegenwart«, die er bereits Anfang der 90er Jahre diagnostizierte. »Der Autoritarismus der Präsenz arbeitet an der Einmauerung des Subjekts in seiner Gegenwart«, schreibt Steinweg nun mit Müller. »Man treibt im Strom des Bestehenden wie in einem alternativlosen Milieu. Dass es Zukunft gibt, heißt nicht, dass es morgen und übermorgen etc. weitergeht. Es heißt vielmehr, dass die Chance, dass es so nicht weitergeht, sondern anders, nicht ausgeschlossen ist.« Denn »Wer ohne Zukunft ist, ist ohne Fantasie – und somit politisch neutralisiert.«

Ort

Deutsches Theater Berlin
Schumannstr. 13a
10117
Berlin

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