Natur im Sinn. mit Ludwig Fischer

18.06.2019 20:30, Internationale Naturschutzakademie, Insel Vilm

Im Rahmen der Vilmer Sommerakademie (Thema: Politische Strategien im Naturschutz – Quo vadis Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie?) liest Ludwig Fischer aus seinem neuen Buch. Es geht zwar um 'Naturwahrnehmung und Literatur', aber auch um grundlegende Fragen unseres Naturverständnisses und unserer Beziehungen zur natürlichen Mitwelt. Was wollen wir über die Aussichten der Natur erzählen? Wie kann und soll überhaupt Natur in der Literatur erscheinen? Und welche Natur?

Sollen Bäume twittern? Muss man sagen können, was eine ›Eilung‹ ist und wie sie sich anfühlt? Was sollen wir von dem aktuellen Boom der ›Naturbücher‹ halten? Was ist schlimm daran, dass Schulkinder deutlich mehr Automarken kennen als Baumarten oder Singvögel? Soll Literatur dazu beitragen, dass wir Trost und Ablenkung von unserem Alltag in der Natur suchen und finden? Wozu brauchen wir überhaupt noch die Begegnung mit dem, was wir Natur im eigentlichen Sinn nennen? Werden wir die Begrenzungen und Defizite unserer eigenen Natur nicht durch Wissenschaft und Technik überwinden? Kommt es also darauf an, ein ›Leben nach der Natur‹ (beyond nature) auszufantasieren? Solche Fragen können aufkommen, wenn man sich mit der aktuellen Konjunktur von Naturbüchern beschäftigt – und wenn man gleichzeitig von den Alarmmeldungen aus unseren natürlichen Umgebungen liest oder hört. Ludwig Fischer hat einige dieser Fragen in seinem neuen Buch aufgegriffen und erörtert sie, indem er auf die große Tradition blickt, die sich in den USA und in Großbritannien mit Nature Writing gebildet hat, jener literarischen Ausarbeitung eingehender Naturerkundung, die immer auch eine Selbsterfahrung des wahrnehmenden Subjekts bedeutet. Bei uns ist diese Linie nach dem großen Vorbild Alexander von Humboldt jäh abgebrochen. Hierzulande fehlt immer noch weithin ein Bewusstsein davon, was die anspruchsvolle literarische Vergegenwärtigung von unmittelbarer, intensiver Naturerkundung erreichen kann – gerade auch für eine Verständigung über unser gesellschaftliches Naturverhältnis, eine Verständigung und Auseinandersetzung, die heute dringlicher ist als je. Ludwig Fischer erörtert die ›Arbeit der Sinne‹, von der authentische Naturerfahrung und -erkundung ausgeht, und benennt die ›Protestenergie‹, die so viele Texte des Nature Writing durchzieht – eine fundamentale Auseinandersetzung mit Kernfragen unseres Naturverhältnisses und mit den Möglichkeiten der Literatur, die etwas anderes bestärken will als Unterwerfung und Ausbeutung der natürlichen Mitwelt. Das Buch entwirft die Herausforderungen, denen sich ein eigenständiges, vielfältiges deutschsprachiges Nature Writing gegenüber sieht, und erwägt die Impulse, die es setzen kann - nicht nur für die Literatur, sondern für unser Verhältnis zu Natur und Umwelt im Zeitalter des Anthropozäns.

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Ort

Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm
18581 Putbus/Rügen

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