Sigmaringen. Eine andere deutsch-französische Geschichte

24.09.2019 18:30, Deutsch-Französisches Institut, Ludwigsburg

In seinem Buch »Sigmaringen. Eine andere deutsch-französische Geschichte« rekonstruiert Clemens Klünemann, Honorarprofessor am Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, die geistige Kollaboration zwischen Nazi-Deutschland und »Vichy-Franzosen«, die vor knapp 75 Jahren in Sigmaringen ein Ende fand.

Vor allem aber zeigt er, inwiefern und warum die Dämonen der damaligen Zeit noch keinesfalls gebannt sind. Ihr Symptom ist die Renaissance vereinfachender Stereotypen in Zeiten der Krise.

Im Oktober 1944 wurde die französische Regierung, die eng mit dem III. Reich zusammenarbeitete, von den Deutschen gezwungen, ihren Sitz von Vichy nach Sigmaringen zu verlegen, um einer Gefangennahme durch die anrückenden alliierten Truppen zu entgehen. In einer Kleinstadt an der Donau trafen so für einige Monate Deutsche und Franzosen zusammen, die sich schon während der 1930er-Jahre für eine Kollaboration ihrer Heimatländer eingesetzt hatten. Wer waren diese Politiker und Intellektuellen, die in einem Schloss der Hohenzollern gemeinsam darauf hofften, doch noch ihren Traum von einem Europa unter deutsch-französischer Führung verwirklichen zu können? Und wie hatte es dazu kommen können, dass sie, die nahezu ausnahmslos zunächst der politischen Linken angehört hatten, sich später in Antirepublikanismus, Antisemitismus – und Pazifismus – gegenseitig überboten?

Antworten darauf wird Clemens Klünemann bei einem Vortrag im dfi geben. Außerdem wird er dabei erklären, wie auf deutscher Seite einige derjenigen, die während des II. Weltkriegs ein deutsch-französisch dominiertes Europa anstrebten, nach 1945 ihre Zusammenarbeit weiterführten und so auch die Vorbereitungen des Elysée-Vertrags, in dem 1963 das Prinzip einer deutsch-französischen Partnerschaft festgeschrieben wurde, beeinflussen konnten.

Darauf, dass heute entlang der Spannungslinien zwischen beiden Ländern längst überwunden geglaubte Selbst- und Fremdbilder wieder auftauchen, wird er im dritten Teil seines Vortrags ein gehen: Denn mit der Behauptung, dass Deutschland dynamisch sei, gerade in seiner Wirtschaftskraft, wohingegen sich das statische Frankreich als Klotz am Bein des ökonomischen Fortschritts in Europa erweise, wurde bereits in den 1930er-Jahren Deutschland idealisiert und das Nachbarland herabgesetzt. Parallel dazu wird von französischen und deutschen Links- und Rechtspopulisten ähnlich gegen die Staatsform der Republik gehetzt wie damals. Die Ansicht, dass Frankreich von korrumpierten Eliten regiert werde und die Republik eine überkommene Regierungsform sei, wurde verschiedentlich von Vertretern des Rassemblement National, des France Insoumise und auch der »Gelbwesten« geäußert.

Am Dienstag, den 24. September 2019 um 18:30 Uhr im Deutsch-Französischen Institut, wird Clemens Klünemann sein Buch vorstellen und mit dem Publikum über die Bedeutung des Erinnerungsortes Sigmaringen diskutieren.

Um Anmeldung wird gebeten: hier oder per Mail, Post oder Fax bis zum 23. September 2019.

Ort

Deutsch-Französisches Institut
Asperger Str. 34
71634 Ludwigsburg

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