Über Füchse, Korallen und Esel | Katrin Schumacher und Jutta Person im Gespräch mit Judith Schalansky

Dienstag 30.06.2020, 19:00, Grassimuseum, Leipzig

In der von Judith Schalansky herausgegebenen Reihe »Naturkunden« (Matthes & Seitz Verlag) erscheinen Bücher, die von der Natur erzählen, von Tieren und Pflanzen, von Pilzen und Menschen, von Landschaften, Steinen und Himmelskörpern, von belebter und unbelebter, fremder und vertrauter Natur. »Schlicht gesagt, berichtet die Reihe davon, wie schön diese Welt ist. Oder auch: wie ungewöhnlich. Auch darin liegt ihr Zauber: Jede dieser gedruckten Hymnen an die Natur ist inhaltlich wie optisch eine Überraschung« (Kulturkurier.at).

Der Fuchs, seit den antiken Fabeln Sinnbild des listigen und verschlagenen Zeitgenossen, hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Sympathieträger des Tierreichs gewandelt. Doch was hat dieser charmante Halunke an sich, dass sein flüchtiges Auftauchen im gleichen Zuge Anziehung und Verunsicherung auslöst, während wir ihm früher unerbittlich mit der Flinte nachjagten? Geschmeidig und klug macht sich Katrin Schumacher in ihrem persönlichen Tierportrait auf einen natur- und kulturgeschichtlichen Beutezug durch Hühnerställe, Kinderbücher und Pelzgerbereien, um schließlich der fernöstlichen Fuchsbesessenheit in Japan nachzuspüren, wo die kleinen Räuber die Menschen als Gottheiten und erotische Dämonen betören. Und auch in unseren Breiten können wir uns auf ein intensiveres Miteinander einstellen: Wohl wissend, dass ihm hierzulande nicht mehr fortwährend das Fell über die Ohren gezogen wird, verlässt der Fuchs seine versteckten, labyrinthischen Baue und macht sich auf in die Städte, um uns zwischen Mülltonnen und Parkgestrüpp selbst auf den Pelz zu rücken. Jutta Person hat sich nach ihrer Liebeserklärung an die »Esel« 2013 ins Reich der »Korallen« (2019) begeben. In ihrem schillernden Tierporträt taucht sie tief in die Natur- und Kulturgeschichte dieser Lebewesen ein, deren Status zwischen Stein, Pflanze oder Tier lange Zeit ungeklärt war. Nicht umsonst schienen Korallen rätselhafte Wechselwesen zu sein, die auf Unterwasserwiesen wuchsen oder als mineralische Wunder der Natur die höfischen Wunderkammern bevölkerten. Jutta Person erzählt von dem Auftritt der Korallen in Literatur und Kunst, zeigt, wie sie als knöchernes Amulett bei der Abwehr des Bösen Blicks halfen, und reist mit uns in die Andamanensee und ans Rote Meer. Eine Expedition in psychedelische Welten - und in die Geschichte und Gegenwart faszinierender Meeresbewohner, die wir angesichts von Korallenbleiche und Riffsterben umso dringender schützen sollten.

 

Um Anmeldung wird gebeten unter kontakt@literaturhaus-leipzig.de

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Ort

Grassimuseum
Johannispl. 5-11
04103 Leipzig