»Widerständiges Leben in der Stadt«

24.03.2020 20:00, Urania Berlin e.V., Berlin

Füchse, Waschbären, Uhus & Co - eine neue Besiedlungsgeschichte der Metropolen

Vortrag von Cord Riechelmann

Reihe Stadt und Land im Wandel

Wilde Tiere und Pflanzen sind in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Städten auffällig geworden - gegen den allgemeinen Trend des Artensterbens. Das Berliner Stadtgebiet gehört in Bezug auf Pflanzen, Insekten, Kriech-, Säugetiere und Vögel zu den artenreichsten Deutschlands. Als zur Zeit des II. Weltkriegs Füchse begannen, in die Vororte Londons einzudringen, war dies der Anfang einer Siedlungsgeschichte, deren Ende nicht abzusehen ist. Waschbären, Turmfalken, Kaninchen, Uhus, Fischadler, Schmutzgeier, Kormorane, Nilgänse, selbst Klapperschlangen fühlen sich weltweit in Großstädten tierisch wohl. Die künstliche Belichtung und die zur Sonne hinzukommende zusätzliche Wärmeabgabe durch die Häuser ermöglichen es manchen Pflanzen früher zu blühen und länger zu grünen. Insekten, die sich von den Pflanzen ernähren, finden so länger Nahrung, und können ebenfalls ihre Lebenszyklen ausdehnen. Daran kann sich eine ganze Kette von Lebewesen anschließen.

Für Menschen ist Landflucht seit Jahrhunderten eine Möglichkeit, Lebensverhältnissen auszuweichen, die als ungesund oder rigide empfunden werden. Pflanzen und Tiere zieht es, diesem Beispiel folgend, dafür aus ländliche Gegenden in städtische Ballungszentren.

Cord Riechelmann ist seit Jahren genauester Beobachter dieser ungewöhnlichen Besiedlungsgeschichte, er weiß Hintergründe, Details und Fakten. Er fragt schlussfolgernd: Müssen wir uns in der Stadtarchitektur und -planung auf die neuen Mitbewohner einstellen? Wie halten wir es mit der Sauberkeit in den Städten? Sollten wir Biodiversität anders denken? “Wer Tauben füttert, füttert Widerstand” (Fahim Amir) Cord Riechelmann studierte Biologie und Philosophie an der Freien Universität, er lebt in Berlin als Autor, Publizist und Lehrbeauftragter an der Universität der Künste.

Das Klima und unsere Umwelt verändern sich rasant, auch zwischen Stadt und Land entstehen neue Beziehungen. Wie reagieren wir darauf? Welche neuen Identitäten ergeben sich möglicherweise daraus? „Wenn sich Gesellschaften verändern, verändern sich auch die dazugehörigen Landschaften und Räume. Vor zweihundert Jahren begann das Industriezeitalter, unseren ganzen alten Kontinent umzupflügen und nach seinen Bedürfnissen neu zu sortieren. Wieso glauben wir, an dessen Ende glimpflicher davon zu kommen?“ (W. Kil)

Ort

Urania Berlin e.V.
An der Urania 17
10787 Berlin