Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug

Cover Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug
Paulo César Fonteles de Lima
Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug
190 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Zweisprachig portugiesich / deutsch. Herausgegeben und aus dem Portugiesischen übertragen sowie mit einem Vorwort versehen von Steven Uhly
ISBN: 978-3-88221-874-9
Preis: 22,80 € / 40,50 CHF

Poesie der Vernichtung

"Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug" ist ein so bewegender wie literarisch beeindruckender Gedichtzyklus, der hier die erste Veröffentlichung weltweit erfährt. Es ist nicht nur eine bittere Anklage gegen die Ungerechtigkeit der brasilianischen Militärdiktatur. Es ist ein universales lyrisches Manifest gegen Folter und Gewalt.

Die vorliegenden Gedichte wurden zur Zeit der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) geschrieben. Fonteles´ Gedichte legen zum ersten Mal in der Geschichte Brasiliens ein lyrisches Zeugnis dieser Vorgänge ab. Fonteles gelingt es dabei, die Grenzen der Beschreibung der erlittenen Mißhandlungen aufzuzeigen und einen Raum zu öffnen, der nicht mythisch und nicht fiktiv ist, sondern tiefste Ängste in jedem von uns auszulösen vermag.

In diesem Raum befinden sich keine Bilder. Er ist dunkel. Man spürt die Bewegungen, die unablässig in ihm vorgehen, während das Auge über die Zeilen zieht, ihre Inhalte entziffert und der Verstand seine Palastwache in Bereitschaft hält, um nicht aus dieser Tiefe heraus angegriffen zu werden. Noch immer gibt es in Brasilien keine wirkliche Diskussion über die Verbrechen der Diktatur. Noch immer wird die Legende gepflegt, in Brasilien habe es lediglich eine "Diktatur light" gegeben, deren Gräueltaten sich nicht an argentinischen oder chilenischen Maßstäben messen lassen können. Wer sich die gegenwärtige brasilianische Gesellschaft ansieht, der erblickt ein Volk, dem das politische Genick gebrochen wurde, um es für die Belange des Weltmarktes fügsam zu machen. Noch immer stagniert die Landreform, noch immer entscheiden die alteingesessenen Oligarchien über die Geschicke des Landes, noch immer gibt es viel Armut und Analphabetismus. Paulo Fonteles wollte etwas daran ändern und zahlte sein Engagement am 11. Juni 1987 auf offener Straße mit dem Leben. Seine Mörder wurden nie ermittelt.



In seinem Vorwort geht Steven Uhly nicht nur auf die Poetik der Gedichte und die politisch-historische Situation Brasiliens ein, sondern auch, unter Verwendung autobiographischer Fragmente, auf das Leben des Autors.



"Diese Stille nach zwanzig Jahren weltweit erstmals gebrochen zu haben und so über die deutsche Sprache dem Autor wieder den Weg in seine brasilianische Heimat zu ebnen ist ein Verdienst, das Steven Uhly und dem Verlag Matthes Seitz kaum hoch genug angerechnet werden kann."

Florian Borchmeyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2007

"Einen wichtigen Beitrag leistet(...) die erstmalige Veröffentlichung der Gedichte von Fonteles de Lima. Sie sind bisher nicht in Brasilien veröffentlicht worden und liegen nun aber in einer zweisprachigen Ausgabe vor.Der Übersetzer Steven Uhly hat diese Edition mit einem informativen Nachwort über die Geschichte der Militärdiktatur in Brasilien versehen. (...)

Der Text von C. Fonteles macht allein durch die Form des Berichts einen weiteren Sachverhalt deutlich. Indem er die verschiedenen Formen der Folter, die Handlungen der Folterer und die Reaktionen der Gefolterten beschreibt, gelingt ihm der Nachweis des systematischen Charakters der Folter.(...)"
Nikolaus Klein, Orientierung, 31. Mai 2008

"Keine Rethorik, keine Phrasen, nur das in seiner Genauigkeit zu Kunst, zu Literatur gewordene Auge-in-Auge mit einer Erfahrung, die das ganze Leben verändern wird."
Marko Martin, Kommune, April 2008